Der Alarm piept, die Drehzahl fällt, und der erste Impuls ist, einen Temperaturgeber zu bestellen. Bei den aufgeladenen 1.8-Liter-Modellen, also FX SHO und FX SVHO ab 2012, FZR und FZS von 2009 bis 2016 und der GP1800R SVHO ab 2017, ist das selten der richtige Anfang. In Foren wird häufig berichtet, dass hinter dem Alarm ein Kühlwasserweg steckt, der nicht genug Wasser bekommt. Der Sensor misst dann richtig und meldet nur, was wirklich los ist.
Wo das Wasser hängen bleiben kann
Die Verdächtigen aus den Berichten: Kavitation an der Pumpe, Fremdkörper im Einlassgitter, ein angeschlagener Impeller, eine verstopfte kleine Kühlwasserbohrung, und Abgaskrümmer, die nach schlechtem Spülen zugesetzt sind. Bei Kavitation fördert die Pumpe weniger Wasser, obwohl sie dreht. Der Motor heizt sich auf, und alle Sensoren arbeiten dabei korrekt.
Eine einfache Probe aus den Foren: Das Wasser kommt hinten heraus, aber nicht vorn am Prüfröhrchen. Dann ist der Weg irgendwo zu. Wo genau, sagt dir das noch nicht, aber der Sensor ist es in diesem Fall sehr wahrscheinlich nicht.
Drei Geber, ein Alarm
Die 1.8-Modelle haben nicht einen, sondern drei Temperaturgeber. Der Thermosensor am Abgaskrümmer läuft unter Code 65 (Abgaskrümmer-Wassertemperatur), der Motortemperatursensor unter Code 15. Der dritte ist ein Thermoschalter, der keinen Messwert liefert: Er schaltet bei einer Grenze und löst den Alarm aus. Meldet kein Sensor etwas Auffälliges und der Alarm ertönt trotzdem, wird in Foren folgerichtig der Thermoschalter verdächtigt.
Zur Einordnung: Die Nummern 15 und 65 stammen aus der Diagnose-Datenbank der neueren Steuergeräte-Generation. In Handbüchern oder Foren stehen sie mitunter anders. Die Beschreibung in der App ist maßgeblich.
Der Ton selbst sagt dir übrigens nicht, welche Warnung gemeint ist. Bei einigen Yamaha teilen sich Übertemperatur und Öldruck denselben Warnton, und laut EX-Handbuch reduzieren beide die Drehzahl automatisch. Schau deshalb zuerst auf die Anzeige und die Livewerte, bevor du eine Richtung wählst.
Was die App beitragen kann
Das M-JET Diagnostic unterstützt die FX SHO und SVHO, FZR und FZS sowie die GP1800R in beiden Ausführungen. Du kannst Motortemperatur und Krümmer-Wassertemperatur live mitschreiben, am besten auf einer Messfahrt mit dem Datenlogger. Zwei Verläufe sind denkbar:
- Beide Temperaturen steigen nach und nach auf hohe Werte, der Alarm kommt erst danach. Das spricht für zu wenig Kühlwasser, nicht für einen Fühler.
- Die Werte bleiben unauffällig oder springen unmotiviert, der Alarm ertönt trotzdem. Dann geht der Verdacht Richtung Thermoschalter oder Kontakt am Stecker.
Gespeicherte Codes 15 oder 65 liest du dabei mit aus. Mehr zur Einordnung steht unter Überhitzung und Temperatursensor.
Die Prüfung am Boot, in dieser Reihenfolge
- Einlassgitter ansehen. Sand, Pflanzenreste oder ein Stück Leine reichen, um die Pumpe auszuhungern.
- Lauf des Wassers beobachten, mit einem Wasseranschluss am Boot, nie trocken: Kommt es hinten raus, aber vorn am Prüfröhrchen nicht, ist der Weg zu.
- Die kleine Abgas-Wasserbohrung auf Verstopfung kontrollieren.
- Erst dann Krümmer und Impeller in Betracht ziehen, weil das der größere Aufwand ist.
- Als Letztes erst Sensoren und Thermoschalter.
Hitzestau bei Aufladung ist ein eigenes Thema. Er ist laut Foren real und kann Leistung kosten, ohne dass am Wasserweg etwas defekt ist. Wer nur Drehzahlverlust ohne Piepen hat, liest eher Leistungsverlust: Ursache finden.
Was keine Diagnose findet
Kavitation, einen angeschlagenen Impeller, Fremdkörper am Einlass und zugesetzte Kanäle sieht keine App. Das ist Mechanik, und ein Wasserweg, der zu ist, bleibt auch mit neuem Sensor zu. Beim Impeller und Pumpengehäuse hilft nur der Blick hinein.
Bei Versuchen an Land gilt: Der Motor läuft nie ohne Wasserzufuhr, auch nicht kurz zum Hören. Ohne Kühlwasser ist ein Alarm das kleinere Problem.