Wer privat zwei Boote schraubt oder in einer kleinen Werkstatt im Frühjahr zehn davon durchsieht, braucht vor allem eines: schnell zu wissen, ob es an der Elektronik liegt oder nicht. Das M-JET Diagnostic ist dafür ein Dongle für den Diagnoseanschluss mit einer App für iOS und Android, verbunden per Bluetooth. Kein Laptop, kein Kabel zum Rechner. Es unterstützt 37 Yamaha-Modelle der Serien FX, VX, GP, EX und FZ sowie SuperJet und JetBlaster, Baujahre 2002 bis heute, ausschließlich Viertakter. Die App erkennt das Modell selbst und zeigt nur Funktionen, die das Fahrzeug hat.
Welche Funktionen du im Alltag brauchst
Am häufigsten kommen diese vier zum Einsatz:
- Fehlercodes im Klartext, mit möglicher Ursache und Prüfschritten.
- Live-Daten, bis zu 34 Messwerte je Modell: Drehzahl, Temperaturen, Ansaugdruck, Batteriespannung, Zündzeitpunkt, TPS und APS, Schalter- und Relaisstatus.
- Einzeltests für Zündspulen, Einspritzdüsen und Kraftstoffpumpe, bei einigen Modellen auch Schrittmotor und YPVS.
- Anlernen von Leerlauf und Drosselklappe sowie Service-Resets für Ölwechsel und Wartung.
Bei einem Kunden mit „läuft unrund“ ist der Einzeltest oft der schnellste Weg. Jede Spule und jede Düse wird einzeln angesteuert, und du hörst und siehst, ob der Zylinder reagiert. Das ersetzt das Raten und das Tauschen auf Verdacht. Bei den FX140-Modellen ist zu beachten, dass je eine Zündspule zwei Zylinder bedient (Paare 1 und 4, 2 und 3).
Fahrzeugdaten und Anlernen
Motor-Seriennummer, SCC-Code, ECM-Teilenummer und Software-Stand liest die App aus dem Steuergerät. Das ist praktisch, wenn ein Teil bestellt werden soll und das Typenschild unleserlich ist. Nach einer Reinigung der Drosselklappe oder einem Batteriewechsel stehen Leerlauf und Drosselklappe zum Anlernen an. Das ersetzt keine Reparatur: Ein Boot mit defektem Sensor läuft nach dem Anlernen nicht besser.
Kraftstoffpumpe und Stunden
Der Pumpentest zeigt nur, dass die Pumpe läuft, nicht, ob sie genug fördert. Ist die Fördermenge verdächtig, musst du anders messen. Beim Test im Boot gilt: gute Belüftung, keine Zündquellen.
Die Stunden je Drehzahlbereich (sechs Bereiche bis 12000 U/min, bei der GP1300R vier bis 8000) sind bei Gebrauchtbooten aufschlussreicher als der Zähler im Display, der laut Foren nicht immer verlässlich ist. Ein Kunde, der ein Boot kaufen will, bekommt damit eine belastbare Aussage.
Mehrere Fahrzeuge und Lizenz
Das M-JET Diagnostic gibt es in Varianten für 1, 3, 5 oder unlimitierte Fahrzeuge. Wer privat zwei Boote hat, braucht etwas anderes als ein Betrieb, der wöchentlich verschiedene Fahrzeuge in der Halle hat. Die Seiten Diagnose für mehrere Fahrzeuge und Diagnose für die Werkstatt gehen darauf ein.
Was weiter Mechanik bleibt
Hier sollte man ehrlich sein, denn auf der Werkbank hilft die App an vielen Stellen nicht. Ein Diagnosegerät erkennt nicht:
- Kavitation der Pumpe, Verschleiß an Impeller und Wear-Ring, Fremdkörper im Einlass.
- Verstopfte Kühlkanäle, etwa einen Krümmer, der nach schlechtem Spülen zugesetzt ist.
- Die Steuerkette (beim SVHO 2014/15 ein bekannter Schwachpunkt) und Kompressionsverlust.
- Zu hohen Ölstand und einen ölgetränkten Luftfilter.
- Korrodierte Stecker ohne Code, den Zustand der Zündkerzen.
- Verbogene Mechanik an der Rückwärtsklappe.
Ein Beispiel für die Grenze: Bei einer EX 2020 wurde berichtet, dass der Motor nach etwa 15 Sekunden im Leerlauf abstirbt, ohne Codes und mit normalen Livewerten. Das ist ein Einzelfall, die Lösung ist offen. Er zeigt aber, dass „keine Codes“ nicht „alles in Ordnung“ heißt.
Der Ablauf, den ich vorschlagen würde
Erst Fehlerspeicher lesen und notieren, dann die Live-Daten gegen das Symptom halten, dann die Einzeltests. Erst danach wird geschraubt. Sieht die Elektronik unauffällig aus, bleibt der Weg über Wasserweg, Einlass und Ölstand. So ist die App ein Werkzeug unter mehreren und kein Ersatz für Hand und Augen.