Früher hieß Fehlercodes lesen: Laptop in den Schuppen schleppen, Kabel suchen, Software installieren. Heute reichen ein Dongle am Diagnoseanschluss und ein Smartphone. Das gilt für die 37 Yamaha-Viertakter, die das M-JET Diagnostic unterstützt: FX, VX, GP, EX und FZ sowie SuperJet und JetBlaster, Baujahre 2002 bis heute. Es sind ausschließlich Viertakter.
Was du mitbringst
Das Dongle, ein iPhone oder ein Android-Gerät und die App, die es in sechs Sprachen gibt (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch). Die Verbindung läuft per Bluetooth, du brauchst weder Kabel zum Telefon noch einen Rechner. Ein geladener Akku am Telefon und eine ordentlich geladene Batterie im Boot sind sinnvoll, denn schwache Spannung verfälscht vieles.
Die Schritte
- Boot sicher abstellen, am besten an Land auf dem Trailer oder festgemacht am Steg. Beginne mit eingeschalteter Zündung und ohne laufenden Motor.
- Dongle in den Diagnoseanschluss deines Modells stecken, bis es sitzt.
- Zündung einschalten.
- App öffnen und mit dem Dongle verbinden. Die App erkennt das Modell selbst und blendet nur Funktionen ein, die dein Fahrzeug überhaupt hat. Ein SuperJet sieht deshalb nicht dasselbe wie eine GP1800R.
- Fehlercodes öffnen. Jeder Eintrag erscheint im Klartext, dazu kommen mögliche Ursache und Prüfschritte.
- Alles notieren oder einen Screenshot machen, bevor du etwas veränderst.
Findet die App das Dongle nicht, kontrolliere, ob es fest im Anschluss sitzt und ob Bluetooth am Telefon an ist. Schalte die Zündung aus und wieder ein und starte die Verbindung neu.
Was die Nummern bedeuten und wo sie abweichen
Die Codes stammen aus den Steuergeräten, und es gibt zwei Generationen. Bei FX140, FX1000, FX1100 und GP1300R steht 21 für die Motortemperatur, bei VX1100 ab 2005 und allen neueren Modellen ist es die 15. Aus Foren kennst du vielleicht wieder andere Nummern, etwa weil sie vom Display statt aus der Diagnose stammen. Wer nach der Zahl googelt, landet deshalb manchmal beim falschen Bauteil. Verlass dich auf die Beschreibung in der App. Eine Übersicht über typische Einträge findest du unter Fehlercodes selbst auslesen.
Angenommen, die App zeigt bei einer VX1100 den Eintrag zum Lenksensor (Code 55). Du notierst ihn, öffnest die Live-Daten und bewegst den Lenker langsam von Anschlag zu Anschlag. Springt der Wert oder bleibt er stehen, kommt als Ursache eher der Stecker in Frage als der Sensor, und du schaust dort zuerst. Läuft der Wert sauber durch, war der Eintrag möglicherweise ein einmaliger Aussetzer, und du beobachtest weiter, ob er wiederkommt. Ohne den Speicher hättest du nur ein vages Gefühl gehabt, dass die Lenkung spinnt.
Danach nicht aufhören
Ein Code nennt ein Bauteil oder einen Signalweg, selten die Ursache. Ein Impulsgeber-Fehler kann der Sensor sein, aber auch ein Stecker. Sieh dir deshalb als Nächstes die Live-Daten zum selben Bauteil an. Bei Modellen mit elektronischer Drosselklappe lassen sich TPS und APS beobachten, bei allen die Batteriespannung. Die App zeigt je Modell bis zu 34 Messwerte, und Zündspulen und Einspritzdüsen kannst du einzeln antesten.
Die Diagnose ohne Laptop ist kein Ersatz für Handwerk. Verbogene Mechanik, Kavitation, ein angeschlagener Impeller, Fremdkörper im Einlass oder ein zu hoher Ölstand tauchen nicht im Speicher auf.
Sicherheit am Wasser
Lass den Motor nie ohne Wasserzufuhr laufen, auch nicht für einen kurzen Test an Land. Bedien das Telefon nicht während der Fahrt. Wenn du Kraftstoffsystem und Bauteile testest, sorge für gute Belüftung und halte Zündquellen fern.
Wer zum ersten Mal ausliest, geht am besten so vor: Speicher lesen, notieren, nichts löschen, Live-Daten ansehen. Erst dann entscheidest du, was als Nächstes dran ist.