Beim Gebrauchtkauf eines Yamaha-Viertakters steht im Inserat eine Stundenzahl, und die stammt in aller Regel vom Zähler im Display. Dieser Zähler ist laut Foren nicht immer verlässlich. Das ist ein Hinweis aus Berichten, keine Statistik. Wer sichergehen will, schaut deshalb zusätzlich ins Steuergerät, denn dort steht mehr als eine einzige Zahl.
Zwei Quellen, zwei Zahlen
Im Display zählt ein Zähler, den du ohne Werkzeug ablesen kannst. Das Steuergerät führt eigene Stunden. Dort steht zum einen die Gesamtzahl der Motorstunden. Zum anderen speichert es, wie lange der Motor in welchem Drehzahlbereich gelaufen ist. Bei den meisten Modellen sind das sechs Bereiche bis 12000 U/min, beim GP1300R vier Bereiche bis 8000 U/min. Das M-JET Diagnostic liest beides aus, per App und Bluetooth, ohne Laptop.
Eine Erklärung für Abweichungen solltest du dir nicht zurechtlegen. Ob ein Zähler bei eingeschalteter Zündung ohne laufenden Motor weiterzählt, ist nicht belegt. Wer das als Grund anführt, vermutet nur.
Wie du die Verteilung liest
Die Gesamtzahl allein sagt wenig. Wichtiger ist, wo sich die Stunden sammeln. Liegt der Großteil in den unteren Bereichen, wurde der Jet ruhig bewegt: Anlegen, Gleiten, gemütliche Touren. Sammeln sich viele Stunden in den oberen Bereichen, wurde er oft hart gefahren. Das ist keine Bewertung des Zustands. Ein gepflegter Jet mit viel Volllast kann besser sein als ein vernachlässigter mit wenig. Es sagt aber etwas über die Beanspruchung. Bei den aufgeladenen Modellen wie FZR, FZS und SVHO sind die oberen Bereiche besonders interessant, weil bei ihnen Lader und Motor ohnehin genauer anzusehen sind.
Vergleiche die Bereiche nicht zwischen Modellen. Der GP1300R rechnet nur mit vier Bereichen bis 8000, die anderen mit sechs bis 12000.
Was du beim Kauf vergleichst
- Display-Zähler und Motorstunden gesamt im Steuergerät. Stehen beide nah beieinander, ist die Angabe im Inserat plausibel.
- Weichen sie stark ab, frag den Verkäufer nach der Erklärung, bevor es um Geld geht.
- Die Stunden in den obersten Bereichen. Je mehr, desto genauer solltest du Motor und bei den aufgeladenen Modellen den Lader ansehen lassen.
- Die Zahl aus dem Inserat, die aus dem Display und die aus dem Steuergerät. Notiere alle drei.
Auch für den eigenen Jet nützlich
Nicht nur beim Kauf ist der Wert interessant. Wer seinen eigenen Jet fährt, kann den Stand zu Saisonbeginn und zu Saisonende notieren. Aus der Differenz weißt du, wie viel du gefahren bist, und aus der Verteilung, wie. Das hilft beim Planen des Ölwechsels, ohne dass du dich auf einen Zähler verlassen musst, der laut Foren nicht immer stimmt.
Was die Stunden nicht sagen
Die Stunden im Steuergerät verraten nichts über Wartung, Salzwasserbetrieb oder Spülen. Sie zeigen auch nicht, ob ein Teil schon einmal ersetzt wurde. Ein Jet mit wenigen Stunden kann einen verschlissenen Impeller haben, einer mit vielen einen makellosen. Dazu kommt: Impeller, Wear-Ring und Kompression sieht die Diagnose nicht. Die Werte ersetzen weder Sichtprüfung noch Probefahrt, sie ordnen beides ein.
Gut passt dazu der Fehlerspeicher. Liest du ihn, bevor du löschst, hast du neben der Stundenzahl auch die Fehler der letzten Zeit vor dir. Wie du Betriebsstunden Schritt für Schritt abrufst, steht unter Betriebsstunden auslesen. Für die aufgeladenen Modelle gibt es einen eigenen Text zu den Stunden im hohen Drehzahlbereich.