Die VXR und die VXS der Baujahre 2011 bis 2014 haben den 1812-cm³-Vierzylinder ohne Lader. Wenn eine davon bei etwa 5000 U/min und rund 50 km/h hängen bleibt, spricht vieles für einen Notlauf. Das Steuergerät begrenzt dann absichtlich Drehzahl und Leistung, ohne dass der Motor mechanisch ein Problem haben muss, weil es ein Problem erkannt hat oder ein Signal nicht mehr zusammenpasst. Mit der Spur, die das Steuergerät dabei hinterlässt, lässt sich der Auslöser meist eingrenzen.
Wo das Steuergerät hinsieht
Das Steuergerät dieser Generation überwacht eine ganze Reihe von Dingen. Einträge in diesen Bereichen sind die ersten Verdächtigen:
- Drosselklappe (ETV) mit ihren Sensoren TPS und APS. Mehrere Signale müssen zueinander passen, wenn sie auseinanderlaufen, wird die Leistung zurückgenommen. Die Codes liegen in den Bereichen 112 bis 145, 124 bis 128 und 131 bis 135.
- Temperaturen: Motortemperatursensor (Code 15) und Abgaskrümmer-Wassertemperatur (Code 65).
- Klopfsensor (Code 17).
- Ansaugdruck (Code 29) und Ansauglufttemperatur (Code 23).
- Rückwärtsschalter (Code 78) und No-Wake-Schalter (Code 68). Falsche Signale dort wirken wie ein eingelegter Modus.
Nummern unterscheiden sich je Generation und Quelle. Nennt die App eine andere Zahl als ein Forenbeitrag, zählt die Beschreibung in der App.
Drosselklappe oder Gashebel
Hier trennt der Livewert am besten. M-JET Diagnostic unterstützt die VXR und VXS und zeigt TPS und APS als getrennte Werte. Schalte die Zündung ein und tritt den Gashebel langsam durch. Läuft der APS-Wert sauber hoch, der TPS-Wert aber nicht, hängt es an der Klappe oder ihrem Antrieb. Springt schon der APS-Wert, liegt es am Gashebel oder am Stecker. So weißt du, ob du an der Drosselklappe oder am Lenker suchen musst.
Wenn die Elektronik unauffällig bleibt
Der Notlauf kann auch eine Folge sein. Wird der Motor zu heiß, geht das Steuergerät mit der Leistung herunter, und bei manchen Yamaha reduzieren Temperatur- und Öldruckwarnung die Drehzahl automatisch. Dann lohnt der Blick auf die Temperaturen: Steigen sie vor dem Einbruch an, sitzt das Problem im Wasserweg. Fremdkörper im Einlassgitter, ein angeschlagener Impeller, Kavitation oder zugesetzte Krümmer erkennt die App nicht, sie zeigt nur die Wirkung. Zeichne die Fahrt auf, das klärt die Reihenfolge der Ereignisse. Hilfe dazu gibt Datenlogger und Messfahrt.
Sieh dir auch die Schalter an. Ein No-Wake-Schalter, der durch Wasser im Stecker dauernd aktiv meldet, wirkt wie ein Motordefekt, ist aber eine Kleinigkeit. Die Motordrehzahl bleibt dann in einem Bereich stehen, der sich wie eine Bremse anfühlt, obwohl am Motor nichts fehlt.
Plötzlich oder schleichend
Hilfreich ist die Frage, wie der Einbruch kam. Schlug die Drehzahl mitten in der Fahrt von einer Sekunde auf die nächste um, ist ein Signal ausgefallen, und du suchst bei Sensor, Stecker oder Schalter. Kam sie nach und nach, während die Temperatur stieg, spielt Wärme eine Rolle. Das lässt sich in der Aufzeichnung ablesen, auch wenn du es auf dem Wasser selbst nicht mitbekommen hast.
Ein Fall, den die App nicht lösen kann
Ist der Speicher leer, die Temperatur im Rahmen, die Drosselklappe sauber und der Schalterstatus ruhig, bleibt Mechanik: Ansaugweg, Pumpe, Kompression. Dann ist die Diagnose zu Ende, und ein Mechaniker muss ans Boot. Immerhin weißt du dann, was du nicht mehr suchen musst.
In dieser Reihenfolge vorgehen
Mehr als eine Stunde am Steg brauchst du dafür nicht, und die meisten Schritte kosten nur Minuten.
- Fehlerspeicher lesen und notieren, danach löschen und eine Probefahrt machen. Kommt derselbe Code zurück, ist er echt.
- Schalterstatus ansehen: Rückwärts und No-Wake.
- Drosselklappe und Gashebel im Livewert vergleichen.
- Temperaturen während der Fahrt aufzeichnen.
- Einlassgitter und Wasseraustritt ansehen.