Der F250 läuft im Hafen sauber, draußen gibst du Gas, und irgendwo im mittleren Bereich ist Schluss. Der Hebel geht weiter nach vorn, die Drehzahl bleibt stehen, das Boot kommt nicht ins Gleiten. Manchmal piept dazu das Horn, manchmal nicht. Wer das zum ersten Mal erlebt, denkt an Propeller oder Kraftstoff. Meistens ist es aber das Steuergerät, das bewusst bremst.
Der Unterschied zwischen Leistungsmangel und Begrenzung
Ein Motor, der zu wenig Sprit bekommt, wird zäh. Er stottert, nimmt schlecht Gas an und schwankt in der Drehzahl. Ein Motor im Notlauf fühlt sich anders an: Bis zu einer bestimmten Drehzahl ist alles normal, danach geht schlicht nichts mehr, wie abgeschnitten. Das ist die Schutzfunktion. Das Steuergerät hat einen Wert gesehen, der ihm nicht gefällt, und begrenzt die Drehzahl, damit der Motor nicht kaputtgeht.
Bei welcher Drehzahl begrenzt wird und welche Meldungen das auslösen, legt das Steuergerät deines Motors fest. Die Bedienungsanleitung nennt dazu meist ein paar Zeilen. Wichtig ist erst einmal nur: Notlauf ist ein Symptom, keine Diagnose.
Was ich zuerst prüfen würde
Mit dem Handy am Diagnoseanschluss und der App von M-JET DIAGNOSTIC lässt sich das in einer Viertelstunde stark eingrenzen.
- Fehlerspeicher lesen, bevor irgendwas gelöscht wird. Bei Motoren mit elektronischer Drosselklappe stehen dort oft Einträge zu ETV, TPS oder APS. Das sind die Drosselklappe selbst, ihre beiden Stellungssensoren und der Gashebelsensor. Sind sich die beiden Sensoren uneinig, traut das Steuergerät dem Gas nicht mehr und begrenzt.
- Motortemperatur und Öldruck im Live-Bild anschauen. Kommt der Notlauf erst nach 20 Minuten Fahrt und die Temperatur steht oben, ist der Grund thermisch und echt.
- Batteriespannung bei laufendem Motor. Ein schwaches Bordnetz kann Sensoren verfälschen und Folgefehler erzeugen.
- Bei den großen Motoren ab F275 die Kraftstoffdrücke, also den Druck der Niederdruckseite und bei Direkteinspritzern den Hochdruck je Zylinderbank. Ein Druckabfall unter Last zeigt sich dort, bevor der Motor anfängt zu stottern.
Sensor kaputt oder Motor wirklich in Gefahr
Die Faustregel, die sich bewährt hat: Kommt die Begrenzung sofort nach dem Start, auch bei kaltem Motor, ist ein Sensor oder Stromkreis der wahrscheinlichste Grund. Das Steuergerät hat schon im Stand etwas Unplausibles gesehen. Kommt sie erst nach einer Weile unter Last und verschwindet nach Abkühlen, ist eher ein echter Zustand dahinter, vor allem Temperatur.
Bei Drosselklappenfehlern lohnt der Blick auf TPS1 und TPS2 im Live-Bild. Beide Spannungen sollten sich beim Gasgeben gemeinsam und gleichmäßig bewegen. Bricht einer kurz ein, während der andere sauber läuft, sitzt das Problem meist am Stecker oder in der Leitung. Bei APS1 und APS2 am Gashebel gilt dasselbe. Details dazu stehen unter elektronische Drosselklappe ETV.
Hilfreich ist auch eine kurze, gezielte Probefahrt. Speicher lesen, Einträge notieren, löschen, dann bei ruhigem Wasser genau die Situation nachstellen, in der die Begrenzung kam. Taucht derselbe Eintrag wieder auf, hast du eine heiße Spur. Taucht ein anderer auf, war der erste vielleicht nur ein Folgefehler, etwa nach einem Spannungseinbruch beim Starten. Und kommt gar nichts, während der Motor diesmal sauber durchzieht, war es womöglich ein Wackelkontakt, der sich bei Seegang meldet und im ruhigen Hafen nicht.
Was die Elektronik nicht sieht
Ein verbogener Propeller, Bewuchs am Rumpf, ein zu hoch oder zu tief montierter Motor oder ein zugesetzter Kraftstofffilter bei den kleineren Motoren ohne Drucksensor, all das kostet Leistung, ohne dass ein Eintrag entsteht. Auch ein geknickter Kraftstoffschlauch oder ein Primerball, der unter Last zusammenfällt, ist für das Steuergerät unsichtbar. Der Unterschied zum Notlauf: Die Drehzahl steigt dann zwar schlecht, aber sie stößt nicht gegen eine harte Grenze.
Mehr zum Thema Drosselung findest du auf der Seite Leistungsverlust und Notlauf. Für den Moment auf dem Wasser reicht ein Satz: Wenn der Motor begrenzt und die Temperatur hoch ist, fahr mit niedriger Drehzahl heim, statt die Begrenzung durch Neustart auszutricksen.