Im Frühjahr zieht die GP1800R SVHO sauber durch, im Hochsommer fehlt etwas, vor allem nach mehreren Runden hintereinander. Betroffen ist die aufgeladene Variante ab 2017 mit 1812 cm³, die HO ohne Lader ist hier nicht gemeint. In Foren wird bei aufgeladenen Yamaha häufig vom Hitzestau berichtet, englisch Heat Soak: Motorraum und angesaugte Luft werden heiß, und die Leistung leidet. Das Phänomen gibt es also tatsächlich. Ob es bei deinem Boot die Ursache ist, musst du nicht raten, du kannst es messen.
Welche Werte du mitschreibst
Das M-JET Diagnostic unterstützt die GP1800R in HO und SVHO. Für diese Frage reichen fünf Livewerte: Ansauglufttemperatur, Ansaugdruck, Drehzahl, Motortemperatur und Zündzeitpunkt, dazu der Luftdruck als Bezugsgröße. Zeichne eine ganze Fahrt auf und nicht nur den Stand, mit mindestens einem Vollgas-Abschnitt nach längerer Fahrzeit. Wie die Aufzeichnung funktioniert, steht unter Datenlogger und Messfahrt. Lies sie am Steg aus. Auf dem Wasser gehört dein Blick nicht auf das Handy.
Erst prüfen, ob die Sensoren plausibel sind
Bevor du eine Fahrt deutest, hilft ein Test im Stand. Bei Zündung an und Motor aus sollte der Ansaugdruck ungefähr dem Luftdruck entsprechen, beide stehen in den Live-Daten. Weichen sie deutlich voneinander ab, ist der Sensor verdächtig, und jede spätere Kurve wäre mit Vorsicht zu lesen. Dasselbe gilt für die Ansauglufttemperatur: Sie sollte im Stand etwa der Umgebung entsprechen.
Was du aus der Kurve liest
- Die Ansauglufttemperatur klettert mit der Fahrzeit deutlich höher als bei einer kühleren Ausfahrt, und gleichzeitig sinkt die Drehzahl unter Volllast. Das passt zu Hitzestau.
- Der Ansaugdruck bleibt unter Last nahe am Luftdruck, obwohl du voll am Gas bist. Das passt eher zu einem Ladeproblem, unabhängig von der Hitze.
- Der Zündzeitpunkt ändert sich im Verlauf, während die Drehzahl nachgibt. Die App zeigt, dass sich etwas verschiebt. Warum, ergibt sich erst aus dem Gesamtbild der Werte.
Feste Grenzwerte nenne ich hier bewusst nicht, denn sie sind nicht gesichert. Es geht um den Verlauf und den Vergleich zwischen kühler und heißer Ausfahrt auf demselben Boot.
Hitzestau oder Lader: zwei verschiedene Bilder
Beide Probleme klingen nach "weniger Leistung", sehen in den Daten aber unterschiedlich aus. Bei verschlissener Lader-Kupplung, in Foren für FZR, FZS und SVHO häufig beschrieben, läuft der Motor sauber, hängt auf dem Wasser aber bei etwa 5000 bis 5500 U/min, der Ansaugdruck bleibt nahe Umgebungsdruck, und über etwa 6000 U/min bricht die Leistung ab. Hitzestau dagegen baut sich auf: Die Boote sind am Anfang der Fahrt in Ordnung und werden mit der Fahrzeit schlechter, besonders an heißen Tagen. Der Handtest der Kupplung gilt in Foren als unzuverlässig, die Messfahrt ist da aussagekräftiger.
Fahr zum Vergleich dieselbe Strecke mit gleicher Last, einmal am kühlen Morgen, einmal in der Mittagshitze, und notiere dir die Wassertemperatur. Dann stehen zwei Kurven nebeneinander statt eines Eindrucks.
Codes spielen nur am Rand mit
Code 23 steht für die Ansauglufttemperatur, Code 29 für den Ansaugdrucksensor. Beide melden einen Fehler im Sensor oder in der Verkabelung. Dass es heiß ist, löst keinen Code aus. Bei Leistungsverlust sieht man außerdem nach, ob der Klopfsensor (Code 17) einen Eintrag hat. Die Nummern können je nach Quelle abweichen, die Beschreibung in der App zählt.
Wo die Diagnose aufhört
Ein Laderschaden lässt sich per App nicht beweisen. Sie zeigt den Ansaugdruck, mehr nicht. Bei den frühen SHO von 2009 bis 2013 gab es bekannte Kupplungsprobleme am Lader, später wurde überarbeitet. Auch Kavitation, ein angeschlagener Impeller oder Fremdkörper im Einlass bleiben für die App unsichtbar, kosten aber ebenfalls Leistung. Von Hitzestau trennst du sie nur durch Sichtprüfung.
Mehr zur Leistungsfrage dieser Reihe steht unter GP1800R SVHO: Leistung und Ansaugdruck.