Der Jet liegt am Steg, der Verkäufer hat ihn zu Wasser gelassen, und du hast eine Viertelstunde, bevor das Gespräch anstrengend wird. Mit Dongle und Smartphone lässt sich in dieser Zeit mehr herausfinden, als man denkt. Das gilt für alle Viertakt-Modelle, die das M-JET Diagnostic unterstützt, von 2002 bis heute. Die Reihenfolge ist wichtiger als die einzelnen Schritte.
Die Reihenfolge
- Minute 0 bis 2. Dongle am Diagnoseanschluss, App verbinden. Die App erkennt das Modell selbst. Gleich danach mit den Papieren abgleichen: Modell, Motor-Seriennummer, ECM-Teilenummer und Software-Stand müssen zum Fahrzeug passen. Stimmt hier etwas nicht, brauchst du nicht weiterzumachen.
- Minute 2 bis 4. Fehlerspeicher lesen, aber nicht löschen. Notiere die Codes oder mach Screenshots. Ein leerer Speicher beweist nur, dass aktuell nichts gespeichert ist.
- Minute 4 bis 6. Motorstunden gesamt und Stunden je Drehzahlbereich ablesen und mit dem Display-Zähler und dem Inserat vergleichen.
- Minute 6 bis 9. Live-Daten bei Zündung an, Motor aus. Die Batteriespannung liegt in Ruhe bei etwa 12,5 V. Der Ansaugdruck sollte ungefähr dem Luftdruck entsprechen. Die Temperaturen müssen zusammenpassen. Die Drosselklappe muss in Ruhestellung "geschlossen" melden.
- Minute 9 bis 12. Einzeltests: Zündspulen und Einspritzdüsen je Zylinder, dazu die Kraftstoffpumpe. Bei drei Zylindern sind das sieben Komponenten, bei vier neun. Reagiert eine anders als die übrigen, ist das ein Befund. Der Pumpentest zeigt nur, dass sie läuft, nicht ob sie genug fördert. Am Kraftstoffsystem gilt: gute Belüftung, keine Zündquellen.
- Minute 12 bis 15. Motor im Wasser laufen lassen, an Land niemals ohne Wasserzufuhr. Spannung bei laufendem Motor, Temperaturen und Leerlauf beobachten. Dann eine kurze Probefahrt mit aufgezeichneten Live-Werten.
Was auffallen sollte
Eine Spannung, die bei laufendem Motor nicht über den Ruhewert steigt, spricht fürs Ladesystem. Eine Zündspule, die anders reagiert als die anderen, ist ein Kandidat für den Tausch. Temperaturen, die schneller steigen als sonst, kommen laut Forenberichten häufiger vom Wasserweg als vom Sensor. Gespeicherte Codes zu Drosselklappe, Impulsgeber oder Nockenwelle verlangen eine Erklärung, bevor du etwas unterschreibst. Nummern können je nach Steuergerät abweichen, die Beschreibung in der App entscheidet.
Probefahrt mit Aufzeichnung
Viele Fehler zeigen sich nicht im Stand. Lass den Datenlogger mitlaufen und beobachte nach der Fahrt vor allem Drehzahl, Ansaugdruck, Temperaturen, Spannung und die beiden Signale von Drosselklappe und Gasgriff (TPS1 und TPS2, APS1 und APS2). Springt ein Signal, fällt der Ansaugdruck unter Last weg oder steigt nur eine Temperatur, siehst du es in der Kurve auch dann, wenn du es beim Fahren nicht gemerkt hast. Deckelt die Drehzahl bei einem bestimmten Wert, prüf, ob No-Wake oder der Lernmodus (L-Mode) aktiv ist, bevor du einen Defekt vermutest.
Was ein Diagnosegerät nicht zeigt
Hier liegen die teuren Dinge: Kompressionsverlust, Impeller- und Wear-Ring-Verschleiß, die Steuerkette (beim SVHO der Jahre 2014 und 2015 ein bekannter Schwachpunkt), der Zustand des Laders, die Fördermenge der Kraftstoffpumpe, Öl im Luftfilter und der Zustand der Zündkerzen. Ein sauberer Speicher und ein plausibler Zähler sagen darüber nichts. Für diese Punkte brauchst du Sichtprüfung, Probefahrt und im Zweifel eine zweite Meinung von jemandem, der den Motor öffnen würde.
Wann du abbrichst
Wenn die Fahrzeugdaten nicht zu den Papieren passen oder der Verkäufer das Anschließen des Dongles verweigert, bist du schneller fertig als geplant. Alles andere gehört in die Verhandlung. Weitere Hinweise gibt es unter Gebrauchten WaveRunner prüfen. Zu den Einzeltests steht Näheres bei Bauteiltest und Aktortest, zum Aufzeichnen der Probefahrt bei Datenlogger und Messfahrt.