Nach dem Reinigen der Drosselklappe oder nach einem Batteriewechsel hängt der Leerlauf bei manchen Yamaha zu hoch, zu niedrig oder pendelt. Dann stellt sich die Frage, ob anlernen hilft. Manchmal ja, oft nicht. Das M-JET Diagnostic bietet Leerlauf- und Drosselklappen-Anlernen an. Die App zeigt die Funktion nur, wenn dein Fahrzeug sie hat. Unterstützt werden 37 Modelle der Serien FX, VX, GP, EX, FZ, dazu SuperJet und JetBlaster, nur Viertakter ab 2002.
Was Anlernen bedeutet
Beim Anlernen stellt sich das Steuergerät neu auf Drosselklappe und Luftweg ein. Ändert sich daran etwas, etwa durch Reinigung, kann der Leerlauf schwanken, bis das einmal geschehen ist. Bei den älteren MR-1-Modellen hängt der Leerlauf stattdessen an einem Bypassventil-Motor (FX1000(A), FX1100) oder einem Schrittmotor (GP1300R). Dort geht es um dessen Stellung, die Codes dazu sind 84 bei FX und 84, 102 und 103 bei der GP1300R.
Wann es sich lohnt
- Nach Reinigen oder Ausbau der Drosselklappe.
- Nach Batteriewechsel oder langer Trennung der Batterie, wenn der Leerlauf danach nicht stimmt.
- Wenn ein Handbuch oder die Hinweise in der App es nach einem Eingriff an Drosselklappe oder Ansaugtrakt verlangen.
Die Handgriffe findest du bei Leerlauf anlernen und Drosselklappe anlernen. Läuft der Motor dabei, dann nur mit Wasserzufuhr.
Nach dem Anlernen startest du den Motor, lässt ihn mit Wasserzufuhr warm laufen und beobachtest den Leerlauf einige Minuten. Pendelt die Drehzahl oder stirbt der Motor beim Gaswegnehmen ab, hat der Lernvorgang das Problem nicht gelöst.
Wann es nichts bringt
Anlernen justiert, es repariert nichts. Ein unrunder Leerlauf hat oft andere Ursachen, und die lernt das Steuergerät nicht weg:
- Ein kontaktschwacher Drosselklappensensor. Bei der GP1300R ist das laut Foren eine häufige Ursache, der Sensor muss beim Start geschlossen melden.
- Eine Zündspule oder Düse, die aussetzt. Das prüfst du mit dem Einzeltest.
- Ein zu hoher Ölstand bei den TR-1-Motoren, der Drehzahl kostet und Öl in den Ansaugtrakt bringt. Der Ölstand sollte erst nach etwa sechs Minuten Laufzeit auf ebenem Boden geprüft werden.
- Nebenluft oder ein lockerer Schlauch, was zu unregelmäßiger Ansaugluft führt. Bei den neueren Modellen ab etwa 2014/15 kann dann Code 63 auftauchen.
Wenn der Leerlauf nach dem Anlernen wieder abdriftet, ist die Ursache nicht das Lernen, sondern etwas, das sich bewegt, verschmutzt ist oder wackelt.
Ein Beispiel
Du hast bei einer VX1100 die Drosselklappe gereinigt, und der Motor stirbt beim Anlegen ab. Bevor du anlernst, öffne die Live-Daten und sieh nach, was der Drosselklappenwinkel im Leerlauf zeigt und ob TPS1 und TPS2 zusammenpassen. Stehen sie plausibel, lerne Leerlauf und Klappe an und mach einen Probelauf mit Wasserzufuhr. Zeigen sie Sprünge, hat sich beim Zusammenbau vermutlich ein Stecker gelöst oder ist nicht richtig eingerastet, und Anlernen würde einen falschen Zustand festschreiben.
Wo es besonders auffällt
Ein schiefer Leerlauf fällt vor allem im Hafenbetrieb auf. Beim langsamen Anlegen, bei der Fahrt im Schritttempo oder im Stau vor der Slipanlage dreht der Motor zu hoch oder geht aus, weil dort die Drosselklappe fast geschlossen ist und jede Abweichung sofort zählt. Auf freiem Wasser bist du selten im Leerlauf, dort bleibt dasselbe Problem eher unbemerkt.
Reihenfolge
- Fehlerspeicher auslesen und notieren. Gibt es Codes zur Drosselklappe, zum Ansaugdruck oder Ansaugsystem, sind sie zuerst dran.
- Live-Daten ansehen: Batteriespannung (etwa 12,5 Volt in Ruhe), Drosselklappenwinkel, Ansaugdruck. Ein Ansaugdruck, der bei Zündung an und Motor aus nicht ungefähr dem Luftdruck entspricht, verdirbt jeden Lernvorgang.
- Erst jetzt anlernen.
- Probelauf und danach nochmal Speicher lesen.
Hängt der Leerlauf trotzdem, schau bei unruhiger Leerlauf weiter. Dort stehen die Dinge, die das Anlernen nicht erledigt.