Der Löschen-Knopf in der Diagnose-App ist verführerisch, weil danach die Anzeige ausgeht und alles wieder gut aussieht. Bei jedem Yamaha-Viertakter, den das M-JET Diagnostic unterstützt, also FX, VX, GP, EX, FZ, SuperJet und JetBlaster von 2002 an, gilt dieselbe Regel: Löschen entfernt den Eintrag, nicht die Ursache.
Erst lesen, dann entscheiden
Bevor du irgendetwas löschst, lies den Speicher aus und schreib die Einträge auf. Danach sind sie weg, und du weißt nicht mehr, ob es zwei Codes waren oder fünf, ob der Impulsgeber dabei war oder nur der Lenksensor. Ein Screenshot reicht. Kommt später ein ähnlicher Fehler, kannst du vergleichen. Das Auslesen selbst beschreibt Fehlercodes lesen.
Wann das Löschen sinnvoll ist
- Nach einer Reparatur, um zu sehen, ob der Fehler wirklich weg ist. Du löschst, fährst oder startest mehrfach und liest erneut aus.
- Wenn die Ursache banal und sicher behoben ist. Ein Beispiel von der RiDE-Rückwärtsklappe: Hat ein quer gespannter Zurrgurt zwischen den Heckösen die Klappe blockiert und du hast ihn entfernt, kann ein Eintrag wie Code 159 danach gelöscht werden.
- Nachdem ein Stecker gereinigt oder ein Teil getauscht wurde, bevor du eine Probefahrt machst.
Die Funktion zum Löschen findest du in der App. Für die Rückwärtsklappe wird in Foren zusätzlich ein Weg am Boot selbst beschrieben: Motor aus, Lanyard ziehen, 30 Sekunden warten, neu starten.
Wann lieber nicht
Die Faustregel: Löschen ist der vorletzte Schritt, nicht der erste. Danach kommt nur noch die Kontrolle, ob alles ruhig bleibt.
Nicht löschen solltest du auch, wenn dir jemand das Boot zur Beurteilung überlässt und du später erklären willst, was der Speicher enthielt. Und nicht, solange du die Ursache nicht kennst. Wer nur die Lampe ausmacht, entscheidet sich dafür, dass der Fehler beim nächsten Mal ohne Vorgeschichte auftritt. Auch kurz vor der Probefahrt mit einem Interessenten bringt Löschen nichts, denn ein leerer Speicher sagt nur, dass er leer ist.
Bei einem Gebrauchtkauf gilt das umgekehrt: Ein Speicher, der auffällig leer ist, obwohl das Boot Probleme macht, ist ein Grund zum Nachfragen. Aussagekräftiger sind dann die Live-Daten und die Stunden je Drehzahlbereich.
Ein Beispiel aus der Praxis
Die RiDE-Rückwärtsklappe meldet Code 159 und bewegt sich nicht. In Foren sind die Ursachen meist harmlos: ein quer gespannter Zurrgurt zwischen den Heckösen, eine leicht verbogene Stange, ein Stecker am RiDE-Hauptkabelbaum, ein Relais oder eine Sicherung, die Einstellung des Kabelzugs, ein Fremdkörper an der Klappe. Wer den Eintrag löscht, bevor er den Gurt entfernt hat, bekommt ihn beim nächsten Versuch zurück. Wer erst die Ursache beseitigt und dann löscht, sieht an einem sauberen Speicher nach der Probefahrt, dass es das war.
Codes, die sofort zurückkommen
Kommt ein Eintrag direkt nach dem Löschen und dem Start zurück, ist er echt und aktuell. Ein sporadischer Fehler kommt dagegen nur gelegentlich, etwa wenn der Motor heiß ist oder bei Vibration. Dieser Unterschied zeigt dir, wie du weitersuchst: Bei einem sofort wiederkehrenden Code sind Live-Daten und Bauteiltest der Weg. Bei einem sporadischen hilft eine aufgezeichnete Messfahrt mehr.
Zur Einordnung gehört noch: In Foren wird häufig berichtet, dass sich eine Anzeige ohne Code nach mehreren Start-Stopp-Zyklen von selbst zurücksetzt. Löschen ist also nicht die einzige Möglichkeit, eine Lampe auszubekommen, und ob ein Eintrag im Speicher bleibt, siehst du nur, wenn du ausliest.
Die Reihenfolge, die sich bewährt: lesen, notieren, Ursache suchen und beheben, löschen, kontrollieren. Wer ein Glied überspringt, sucht später doppelt.