Kaum ein Motor hängt so oft an Konsolenbooten, Familienbooten und Angelbooten wie der F115, dicht gefolgt vom F130. Entsprechend viele Besitzer stehen irgendwann mit demselben Problem da: Die Warnlampe leuchtet, der Leerlauf ist unruhig, oder beim Gebrauchtkauf will man wissen, was der Motor hinter sich hat. Weil es von beiden Motoren mehrere Generationen gibt, sieht die Diagnose nicht bei jedem F115 gleich aus.
Welche Modelle gemeint sind
In der Familie F115 bis F150 gehören zu den beiden Motoren der F115A und F115B, jeweils auch als gegenläufige L-Version, dazu der F115C und der F130A, ebenfalls auch als FL130A. Die Steuergeräte dieser Familie liefern je nach Generation zwischen 19 und 55 Live-Werte, kennen zwischen 10 und 76 verschiedene Fehlereinträge und bieten 6 bis 11 Aktortests. Leerlauf anlernen ist bei allen Steuergeräte-Varianten der Familie vorgesehen.
Die große Spanne kommt daher, dass ältere Varianten mit Gaszug und Leerlaufsteller arbeiten, neuere teils mit elektronischer Drosselklappe und digitaler Fernbedienung. Ein älterer F115 zeigt dir eine Drosselklappenspannung und die Öffnung des Leerlaufstellers. Ein neuerer mit elektronischem Gas zeigt stattdessen zwei Klappensensoren, zwei Gashebelsensoren und eine Gasanforderung in Prozent. Welche Variante du hast, merkst du spätestens beim ersten Auslesen.
Die Werte, die ich bei diesen Motoren zuerst ansehe
Bei einem F115 oder F130 schaue ich nach dem Fehlerspeicher fast immer auf dieselben Werte:
- Motortemperatur oder Kühlwassertemperatur und, wo vorhanden, den Kühlwasserdruck. Die Mittelklasse wird viel im Salzwasser gefahren, und verkalkte Kühlkanäle sind dort eine häufige Baustelle.
- Öldruck in kPa, wenn das Steuergerät einen Sensor hat, sonst den Öldruckschalter.
- Bordspannung einmal bei stehendem und einmal bei laufendem Motor ablesen. Viele dieser Boote haben Echolot, Plotter und Livewell-Pumpe am selben Netz.
- Öffnung des Leerlaufstellers bei älteren Varianten. Ein hoher Wert im warmen Leerlauf heißt, dass das Steuergerät gegen etwas ankämpft.
- Den Kraftstoffdurchfluss in Litern pro Stunde. Kein Diagnosewert im engeren Sinn, aber spannend, um die sparsamste Reisedrehzahl für das eigene Boot zu finden.
Typische Einträge in der Mittelklasse
Womit du bei diesen Motoren im Alltag rechnen solltest, sind Meldungen zum Thermosensor oder Motortemperatursensor, Wasser im Kraftstofffilter nach dem Winter, Notausschalter und gelegentlich der Pulsgeber. Dazu kommen bei den Varianten mit Nockenwellenverstellung Meldungen zum OCV und zum Nockenwellensensor, bei denen mit elektronischem Gas die üblichen Einträge zu Drosselklappe, TPS und APS. Ein Eintrag zur Überkühlung ist im Salzwasser auffällig oft ein hängendes Thermostat.
Mit M-JET DIAGNOSTIC liest du das am Diagnoseanschluss per Handy aus. Die App zeigt dabei die Werte und Tests, die das Steuergerät deines F115 oder F130 tatsächlich anbietet, nicht mehr und nicht weniger.
Aktortests und Leerlauf
Für die Mittelklasse sind die Aktortests ein echtes Werkzeug. Je nach Steuergerät lassen sich die Zündspulen und Einspritzdüsen einzeln oder paarweise ansteuern, dazu die Kraftstoffpumpe, bei manchen Varianten die Niederdruckpumpe, der Leerlaufsteller und das OCV. Bei einem Motor, der auf einem Zylinder schlecht läuft, ersetzt das eine Menge Raten.
Nach dem Reinigen der Drosselklappe oder dem Tausch des Leerlaufstellers läuft der Leerlauf häufig nicht mehr sauber, weil das Steuergerät noch mit den alten Werten arbeitet. Das Anlernen geht bei diesen Motoren über die App. Wie das abläuft, steht unter Leerlauf anlernen, und alle Details zur Familie unter F115 bis F150.
Wo Schluss ist
Ein F115 mit verschlissenem Impeller, verkalkter Kühlwasserleitung oder Wasser im Getriebe läuft lange ohne einen einzigen Eintrag. Das Steuergerät sieht seine Sensoren, nicht das Getriebeöl und nicht die Flügel des Impellers. Bei diesen Motoren ist der Impellerwechsel nach Intervall deshalb nicht verhandelbar, ganz gleich wie sauber der Speicher aussieht. Und wer einen gebrauchten F130 kauft, lässt das Getriebeöl ab, bevor er unterschreibt.