Zwei Tage nach dem Tanken an der kleinen Tankstelle im Nachbarhafen meldet der F70 beim Ablegen Wasser im Kraftstofffilter. Er läuft noch, aber die Warnung bleibt an. Die Frage ist jetzt nicht, ob du in die Werkstatt musst, sondern ob du heute noch fahren solltest. Mit ein paar Handgriffen am Steg ist das meist in einer halben Stunde geklärt.
Woher die Warnung kommt
Im Kraftstoffsystem sitzt ein Wasserabscheider, ein Filter mit durchsichtigem oder undurchsichtigem Becher. Wasser ist schwerer als Benzin und sammelt sich unten. Steigt der Wasserstand bis zu einem Schalter im Becher, schließt der Kontakt und das Steuergerät legt die Meldung ab: Wasserabscheider meldet Wasser. Das ist alles. Der Schalter misst keine Menge, sondern meldet nur, dass ein Pegel erreicht wurde.
Bei den meisten Viertaktern steht die Meldung im Fehlerspeicher. Bei den HPDI-Motoren der Z-Serie siehst du den Zustand des Wasserschalters sogar direkt im Live-Bild, an oder aus.
Am Steg, in dieser Reihenfolge
- Motor aus, Hauptschalter aus. Mit Benzin hantiert man nicht bei laufendem Motor.
- Den Filterbecher anschauen. Bei durchsichtigen Bechern siehst du die Trennlinie zwischen Wasser und Benzin. Wasser ist klar und liegt unten, oft mit kleinen Perlen.
- Becher abschrauben oder Ablassschraube öffnen, in ein Glas ablassen, bis nur noch Benzin kommt. Ein Lappen darunter, und die Reste gehören nicht ins Hafenbecken.
- Becher wieder dicht montieren, Dichtring prüfen, mit dem Primerball das System füllen, bis er hart ist.
- Fehlerspeicher lesen, Eintrag notieren, dann löschen und den Motor laufen lassen.
Kommt die Meldung nicht wieder, war es wirklich Wasser. Kommt sie sofort zurück, obwohl der Becher sauber ist, ist der Schalter oder seine Leitung verdächtig. Der Prüfschritt dafür ist ein Durchgangstest am Schalter: Ohne Wasser darf er keinen Durchgang haben.
Bei Motoren mit elektrischer Kraftstoffpumpe kannst du die Pumpe nach dem Zusammenbau je nach Steuergerät per Aktortest kurz laufen lassen. So füllt sich das System, und du siehst am Becher, ob er dicht ist, bevor der Motor überhaupt dreht. Eine nasse Stelle am Dichtring ist im Bootsrumpf deutlich unangenehmer als am Steg.
Zum Lesen und Löschen reicht der Dongle am Diagnoseanschluss mit der App von M-JET DIAGNOSTIC. Wann Löschen sinnvoll ist und wann nicht, steht unter Fehlerspeicher löschen.
Wie das Wasser in den Tank kommt
Die häufigsten Wege sind unspektakulär. Ein halbvoller Tank über den Winter bildet Kondenswasser, je größer der Luftraum, desto mehr. Kraftstoff mit Ethanolanteil nimmt Wasser auf und gibt es bei Temperaturwechseln oder nach langer Standzeit als Schicht am Boden wieder ab. Dazu kommen ein undichter Tankdeckel, eine Tankentlüftung, in die beim Waschen oder bei Seegang Wasser läuft, und eben manchmal die Tankstelle.
Ein einzelner Vorfall nach dem Tanken ist meist die Tankstelle. Kommt die Warnung jedes Frühjahr wieder, liegt es eher am eigenen Tank oder an der Entlüftung.
Wann du nicht weiterfährst
Kommt nach dem Ablassen wieder Wasser nach, und zwar viel, steht im Tank eine richtige Wasserschicht. Dann füllt sich der Becher auf der nächsten Fahrt erneut, und irgendwann zieht die Pumpe Wasser statt Benzin. Bei den großen Motoren ab F275 mit Direkteinspritzung ist das teuer, weil die Hochdruckseite Wasser gar nicht mag. Dort zeigt das Live-Bild auch die Kraftstoffdrücke, und ein unruhiger Druck ist ein zusätzliches Warnsignal.
Was die Diagnose nicht kann: dir sagen, wie viel Wasser im Tank ist. Das findest du nur heraus, indem du vom tiefsten Punkt des Tanks absaugst. Mehr zur Warnung steht unter Wasser im Kraftstofffilter. Den Filtereinsatz selbst würde ich nach so einem Vorfall ohnehin tauschen, auch wenn er noch sauber aussieht.