Ein Konsolenboot mit F115, laut Anzeige 280 Stunden, der Verkäufer sagt: "Nur Sommertörns, immer sanft gefahren." Das klingt gut, lässt sich aber prüfen. Viele Yamaha-Steuergeräte speichern die Betriebsstunden nicht nur als Summe, sondern aufgeteilt auf sieben Drehzahlbereiche. Daraus lässt sich ziemlich gut ablesen, wie ein Motor tatsächlich bewegt wurde.
Die sieben Bereiche
Gezählt wird in diesen Schritten:
- unter 1000 U/min, also Leerlauf, Manövrieren und Warmlaufen am Steg
- 1000 bis 2000 U/min, langsame Fahrt, Schleppangeln, Hafeneinfahrt
- 2000 bis 3000 U/min
- 3000 bis 4000 U/min, der Übergang ins Gleiten bei vielen Booten
- 4000 bis 5000 U/min, typische Reisefahrt
- 5000 bis 6000 U/min
- 6000 bis 7000 U/min, Volllast und darüber, je nach Motor schon am Begrenzer
Welcher Bereich für deinen Motor Reisefahrt bedeutet, hängt vom Motor und vom Boot ab. Ein kleiner F40 an einem schweren Kahn liegt anders als ein F115 an einem leichten Konsolenboot.
Was eine Verteilung verrät
Ein Beispiel aus der Praxis, wie es oft aussieht: Gut ein Drittel der Stunden unter 1000 U/min, ein ordentlicher Batzen bei 4000 bis 5000, wenig darüber. Das passt zu einem Motor, der viel im Hafen gestanden und gelaufen ist und draußen vernünftig gefahren wurde. Sehr viel Leerlauf ist für einen Viertakter übrigens kein Lob. Ein Motor, der stundenlang am Steg tuckert, wird selten richtig warm, und das ist für Öl und Ablagerungen nicht ideal.
Ein anderes Bild: auffällig viele Stunden zwischen 5000 und 7000 U/min. Das kann ein Boot sein, das hart gefahren wurde, oder eines, das untermotorisiert ist und deshalb immer voll laufen musste. Beides ist kein Grund, sofort abzusagen. Es ist aber ein Grund, genauer auf Kompression, Zündkerzen und Getriebe zu schauen.
Bei einem Boot mit zwei Motoren am Heck lohnt der Vergleich beider Steuergeräte. Wurden die Motoren immer gemeinsam gefahren, sollten Summe und Verteilung nah beieinanderliegen. Hat einer deutlich weniger Stunden, wurde er entweder später getauscht, oder er hat ein anderes Steuergerät bekommen. Beides ist kein Drama, aber du willst es vor dem Handschlag wissen und nicht danach.
Und wenn die Verteilung fast nur aus 1000 bis 2000 U/min besteht, war der Besitzer wahrscheinlich Angler. Schleppen über Stunden bei niedriger Drehzahl ist normal für solche Motoren, belastet aber Zündkerzen und kann zu Ablagerungen führen.
So kommst du an die Zahlen
Mit M-JET DIAGNOSTIC für Yamaha WaveRunner & Außenborder steckst du den Dongle an den Diagnoseanschluss und liest die Stunden in der App aus, je nach Steuergerät mit der Aufteilung nach Drehzahl. Das geht in fünf Minuten auf dem Trailer, solange die Batterie angeschlossen ist. Mehr dazu unter Betriebsstunden nach Drehzahl auslesen.
Lies beim selben Termin auch den Fehlerspeicher. Ein frisch gelöschter Speicher bei einem Motor mit 280 Stunden ist nicht verdächtig, aber eine Nachfrage wert. Alte Einträge zu Überkühlung, Thermosensor oder Öldruck sind dagegen ein Gesprächsthema. Frag ruhig, was damals gemacht wurde. Ein Verkäufer, der eine Rechnung über ein neues Thermostat hervorholt, ist mir lieber als einer, der von nichts weiß.
Was die Stunden nicht verraten
Die Verteilung sagt nichts über Wartung. Ob der Impeller alle zwei Jahre neu kam, ob das Getriebeöl milchig ist, ob im Salzwasser gefahren und danach gespült wurde, das musst du selbst anschauen. Auch die Anoden und der Zustand unter der Haube gehören dazu. Korrosion an Steckverbindern ist im Salzwasserrevier häufiger ein Thema als die reine Stundenzahl.
Eine ausführlichere Checkliste für die Besichtigung steht unter gebrauchten Yamaha-Außenborder prüfen. Die Stunden nach Drehzahl kommen bei mir dort an zweite Stelle, direkt nach der Frage, ob die Summe im Steuergerät überhaupt zur Anzeige im Display passt.