Letzte Ausfahrt im Oktober, der F100 hat die ganze Saison ohne Murren durchgehalten, nächste Woche kommt das Boot aus dem Wasser. Genau jetzt ist der beste Moment, ein paar Minuten mit dem Handy am Motor zu verbringen. Nicht weil etwas kaputt ist, sondern weil der Motor nie wieder so aussagekräftig ist wie nach einer Saison im Wasser, warm gefahren und unter normalen Bedingungen.
Im Frühjahr hat er sechs Monate gestanden. Wenn dann etwas komisch aussieht, fehlt dir ohne Herbstwerte der Vergleich.
Der Fehlerspeicher vor dem Löschen
Lies den Speicher, bevor irgendjemand ihn löscht, auch nicht die Werkstatt beim Einwinterungsservice. Fotografier alles ab. Einträge, die im Sommer nur einmal kurz aufgetaucht sind, sagen oft mehr als die, die ständig da sind. Ein einzelner Eintrag zum Pulsgeber mit unregelmäßigem Signal kann ein Hinweis auf einen Stecker sein, der langsam aufgibt. Ein einzelner Spannungseinbruch ist eher harmlos.
Danach kannst du den Speicher löschen. Was dann im Frühjahr drinsteht, ist neu, und das ist die eigentliche Information. Mehr zum Lesen steht unter Fehlercodes auslesen.
Was auf den Zettel kommt
- Datum und Gesamtstunden aus dem Steuergerät, dazu die Verteilung auf die sieben Drehzahlbereiche. Nächstes Jahr siehst du daran, wie viel du in welcher Drehzahl gefahren bist.
- Batteriespannung im Stand und bei laufendem Motor.
- Kühlwasserdruck bei warmem Motor im Leerlauf und bei einer festen Drehzahl, wenn dein Motor den Wert liefert.
- Öldruck im warmen Leerlauf, bei Motoren ab der Mittelklasse in kPa. Bei den kleinen Motoren reicht der Zustand des Öldruckschalters.
- Die Öffnung des Leerlaufstellers in Prozent und die Einspritzzeit im warmen Leerlauf. Beide Werte steigen, wenn der Motor mehr Luft oder Sprit braucht, um den Leerlauf zu halten, etwa bei verschmutzter Drosselklappe. Im Vergleich über Jahre ist das ein feiner Indikator.
- Die Motortemperatur oder Kühlwassertemperatur, bei der sich der Motor im Leerlauf einpendelt.
Das klingt nach viel, ist aber in fünf Minuten erledigt, wenn du die Werte abfotografierst. Mit M-JET DIAGNOSTIC für Yamaha WaveRunner & Außenborder am Diagnoseanschluss geht das per Bluetooth am Handy. Welche Werte genau angezeigt werden, hängt vom Steuergerät deines Motors ab. Ein F40 zeigt weniger als ein F200, und das ist auch in Ordnung.
Bei Booten mit zwei Motoren liest du jeden Motor getrennt aus und schreibst die Werte nebeneinander. Weicht einer beim Öldruck oder beim Kühlwasserdruck deutlich vom anderen ab, obwohl beide gleich alt sind und immer zusammen gefahren wurden, hast du einen Kandidaten für den Winterservice gefunden, bevor überhaupt ein Fehler im Speicher steht.
Warum gerade die Stunden
Die Betriebsstunden aus dem Steuergerät sind die verlässlichste Zahl für Wartungsintervalle, weil sie am Motor hängen und nicht am Instrument. Notierst du sie jeden Herbst, ergibt sich über die Jahre eine saubere Liste. Beim Verkauf ist so eine Liste mehr wert als jede Beteuerung. Wie die Aufteilung nach Drehzahl zu lesen ist, steht unter Betriebsstunden nach Drehzahl.
Was danach kommt, ist Handarbeit
Das Auslesen ersetzt keinen Handgriff beim Einwintern. Motor gründlich mit Süßwasser spülen, besonders nach einer Saison im Salzwasser. Tank möglichst voll machen, damit sich wenig Kondenswasser bildet. Getriebeöl wechseln und dabei auf Wasser achten. Batterie ausbauen und über den Winter laden. Den Impeller würde ich, wenn er ohnehin fällig ist, im Herbst tauschen, dann ist im Frühjahr ein Punkt weniger auf der Liste.
Und den Zettel mit den Herbstwerten legst du dorthin, wo du ihn im April wiederfindest. Bei mir ist das ein Foto im selben Album wie die Rechnung vom letzten Service.