Ende April, das Boot mit dem F60 steht wieder auf dem Trailer vor der Halle, die Batterie hat den Winter im Keller verbracht. Der erste Gedanke ist, sie anzuklemmen, den Zündschlüssel umzudrehen und zu hören, ob er kommt. Das funktioniert meistens. Wenn nicht, sucht man dann im Halbdunkeln nach dem Grund. Ich mache es seit Jahren andersherum und scanne den Motor, bevor er zum ersten Mal dreht.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat
- Batterie voll laden, bevor sie ins Boot kommt. Eine halbvolle Batterie erzeugt beim Starten Spannungseinbrüche, und die tauchen im Fehlerspeicher auf, ohne dass am Motor etwas kaputt ist.
- Dongle an den Diagnoseanschluss, Zündung an, Fehlerspeicher lesen. Die Einträge vom letzten Herbst stehen oft noch drin. Abfotografieren, mit deinen Notizen vom Einwintern vergleichen, dann entscheiden.
- Im Live-Bild die Batteriespannung bei Zündung an anschauen. Danach den Notausschalter: Steht er auf betätigt, obwohl die Leine steckt, ist der Schalter nach dem Winter korrodiert.
- Primerball drücken, bis er hart ist. Bei Motoren mit elektrischer Kraftstoffpumpe die Pumpe per Aktortest kurz laufen lassen. Du hörst sie, und du siehst, ob irgendwo Benzin austritt.
- Wasserabscheider ansehen. Nach einem Winter mit halbvollem Tank steht dort gern Wasser.
- Motor im Wasser oder mit ausreichender Spülung starten, Kontrollstrahl prüfen.
- Live mitlesen, während er warm wird: Kühlwasser- oder Motortemperatur, Öldruck oder Öldruckschalter, Batteriespannung bei laufendem Motor, und wo vorhanden den Kühlwasserdruck.
Worauf du beim Warmlaufen achtest
Die Temperatur sollte gleichmäßig steigen und sich dann einpendeln. Bleibt sie auffällig niedrig, und das Steuergerät legt nach einer Weile einen Eintrag zur Überkühlung ab, hängt das Thermostat offen. Das ist im Frühjahr nicht selten, besonders wenn der Motor im Salzwasser lief und nicht ordentlich gespült wurde.
Die Batteriespannung sollte bei laufendem Motor sichtbar höher liegen als bei Zündung an. Wenn nicht, lädt nichts, und das willst du in der Halle wissen, nicht nach drei Stunden auf dem Wasser mit Plotter und Funkgerät am Netz.
Wenn dein Motor den Kühlwasserdruck zeigt, vergleich ihn mit dem Wert aus dem Herbst bei derselben Drehzahl. Liegt er deutlich tiefer, ist der Impeller oder der Einlass verdächtig.
Läuft der Motor nach dem Winter unruhig im Leerlauf oder geht beim Einlegen des Gangs aus, schau dir die Öffnung des Leerlaufstellers in Prozent an, falls dein Motor den Wert anzeigt. Steht sie deutlich höher als im Herbst, arbeitet das Steuergerät gegen etwas an: eine verharzte Drosselklappe nach altem Sprit oder Falschluft an einem porösen Schlauch. Nach dem Reinigen lässt sich bei vielen Motoren der Leerlauf neu anlernen.
Bei mehreren Booten lohnt eine Liste
Wer mehrere Motoren betreut, sei es am eigenen Boot mit zwei Außenbordern oder im Verein, sollte für jeden Motor dieselben Punkte auf einen Zettel schreiben. Mit M-JET DIAGNOSTIC und einer Lizenz für mehrere Motoren gehst du die Reihe einmal durch und hast für jeden Motor Speicher, Stunden und Startwerte auf dem Handy. Die Seite Saisonstart-Check beschreibt den Ablauf noch einmal aus Sicht der Checkliste, und wie die Aktortests im Einzelnen funktionieren, steht unter Bauteiltest und Aktortest.
Was der Scan nicht ersetzt
Der Impeller wird nach Kalender oder Stunden gewechselt, nicht nach Fehlerspeicher. Getriebeöl ablassen und auf Wasser prüfen, Anoden kontrollieren, Propeller abziehen und die Welle auf Angelschnur untersuchen, all das bleibt Handarbeit. Auch Zündkerzen und Kraftstofffilter siehst du nur, wenn du sie ausbaust. Die Diagnose sagt dir, ob Elektrik und Sensoren nach dem Winter sauber arbeiten.
Dass ein Motor anspringt, sagt wenig. Dass er nach zehn Minuten Warmlaufen sauber auf Temperatur ist, Spannung lädt und keine neuen Einträge im Speicher hat, sagt schon eine ganze Menge mehr.