Dein F300 hängt auf der Heimfahrt plötzlich in einer gedrosselten Drehzahl fest, im Display steht eine Warnung, und vor Montag hat in der Marina niemand Zeit. An dieser Leistungsklasse ist die Elektronik dicht: Die Familie F275 bis F450 umfasst F275, die F300-Varianten B bis G, die V8-Motoren F350A und F350B und die XTO-Modelle F375, F400, F425 und F450. Die Steuergeräte kennen 44 bis 107 Fehlereinträge, liefern 30 bis 65 Live-Werte und bieten 16 bis 25 Aktortests. Das ist viel Material, und genau deshalb sollte man es in einer festen Reihenfolge abarbeiten.
Was ich zuerst ansehen würde
- Den Fehlerspeicher, komplett, und zwar abschreiben, bevor irgendetwas gelöscht wird. Bei 107 möglichen Einträgen stehen oft Folgefehler neben der Ursache.
- Batteriespannung und, falls angeboten, die Spannung der Bordnetzbatterie. Ein Eintrag „Generatorsystem ohne Signal“ zeigt auf die Leitung zwischen Steuergerät und Laderegler oder auf den Kurbelwellensensor.
- Öldruck und die Temperaturen. Bei diesen Motoren gibt es Thermosensoren und Kühlwassertemperatur getrennt für Backbord- und Steuerbordbank, also P und S. Ein Unterschied zwischen den Bänken sagt mehr als ein Einzelwert.
- Kraftstoffdruck. Dazu gleich mehr.
- Erst dann Zündung und Einspritzung, Zylinder für Zylinder.
Kraftstoffdruck an den XTO-Motoren
Die XTO-Modelle arbeiten mit Direkteinspritzung, und das sieht man in den Daten. Es gibt einen DI-Kraftstoffdruck in MPa getrennt für P und S, dazu den Druck im VST in kPa. Der VST ist der Dampfabscheidertank, aus dem die Hochdruckseite gespeist wird. Als Aktortests stehen je nach Steuergerät die VST-Pumpe (Haupt- und Nebenpumpe), die Niederdruckpumpe und die DI-Pumpen für beide Bänke bereit. Außerdem gibt es eine Funktion zum Entlüften des Kraftstoffsystems und eine zum Absenken des DI-Drucks, bevor jemand an Leitungen arbeitet.
Die Meldungen sind entsprechend fein aufgeteilt: DI-Drucksensor, DI-Druck außerhalb der Spezifikation (je Bank in zwei Richtungen), DI-Pumpe mit unregelmäßigem Signal, Stromversorgung der VST-Pumpe und zwei Stromversorgungen der EDU. Die EDU ist die Treiberstufe, die die Einspritzdüsen ansteuert. Meldet eine Düse ein unregelmäßiges Signal, nennt das Steuergerät deshalb nicht nur Kabel und Düse, sondern auch die EDU als Prüfpunkt.
Spulen und Düsen beim V8
Beim F350 und den XTO stehen Spulen und Düsen eins bis acht einzeln zur Verfügung, beim F300 eins bis sechs. Ein Aussetzer, der nur unter Last auftritt, zeigt sich im Stand nicht immer. Der Einzeltest sagt dir aber, ob der Befehl am Bauteil ankommt. Zwei Klopfsensoren haben eigene Einträge, deren Prüfschritt ausschließlich Leitung und Stecker betrifft.
Ein Aussetzer, der nur unter Last kommt, lässt sich mit einer zweiten Person an Bord oft besser eingrenzen als in der Halle. Einer fährt, der andere beobachtet Zündzeitpunkt, Einspritzzeit und die Temperaturen beider Bänke. Nimmt das Steuergerät bei einer bestimmten Drehzahl die Zündung zurück, siehst du es dort, und dann gehört der Klopfsensor-Stecker auf die Liste, bevor eine Spule getauscht wird.
Mit M-JET DIAGNOSTIC läuft das über den Diagnoseanschluss am Motor und das Handy, ohne Laptop. Die App bietet nur an, was das jeweilige Steuergerät hat. Welche Varianten unterstützt werden, steht unter F275 bis F450.
Wo bei diesen Motoren die Grenze liegt
Meldungen zum Lenksystem tauchen im Speicher auf, die Details dazu liegen aber nicht im Motorsteuergerät, und an der Lenkung stellt die App nichts ein. Kommunikationsfehler zur Stromverteilerbox, zur Fernbedienung oder zum Schaltaktuator zeigen dir, welche Verbindung gestört ist, die Ursache im Kabelbaum findest du aber nur mit Augen und Messgerät. Und eine Gangschaltung, die rau schaltet, weil das Getriebe Wasser gezogen hat, sieht kein Steuergerät.
Ebenfalls im Speicher dieser Klasse: zwei Einträge zur Trimmung, nämlich PTT-Relais und Stromversorgung des PTT-Relais. Wer nach einem Notlauf auch noch eine lahme Trimmung hat, findet dort manchmal den gemeinsamen Nenner in der Stromversorgung.
Für den gedrosselten Motor auf der Heimfahrt gilt: Steht ein Kraftstoffdruck oder eine EDU-Versorgung im Speicher, prüf zuerst die Sicherungen und Relais, die das Steuergerät selbst nennt. Mehr zum Notlauf steht unter Leistungsverlust und Notlauf.