Der Wasserabscheider am F70 ist geleert, der Motor läuft wieder sauber, und im Speicher steht trotzdem noch die Meldung von vorgestern. Der Reflex ist klar: weg damit. Meistens ist das auch richtig. Es gibt aber Situationen, in denen du dir mit dem Löschen genau die Information nimmst, die du später brauchst.
Zur Einordnung: Ein gespeicherter Eintrag sagt, dass das Steuergerät irgendwann eine Abweichung bemerkt hat. Er sagt nicht zwingend, dass die Abweichung jetzt noch besteht. Löschen ist deshalb vor allem ein Werkzeug, um zu sehen, ob ein Fehler wiederkommt.
Wie viele Einträge ein Steuergerät überhaupt kennt, hängt stark vom Motor ab. Bei den kleinen Motoren von F20 bis F100 sind es 9 bis 13, bei den großen V8 bis zu 107. Je mehr mögliche Einträge, desto wahrscheinlicher stehen nach einem Ereignis mehrere im Speicher, von denen nur einer die Ursache ist und die anderen Folgen. Wer dann alles auf einmal löscht, verliert den Zusammenhang.
Löschen ist richtig, wenn
- du die Ursache behoben hast und prüfen willst, ob das gereicht hat. Klassiker: Wasser im Kraftstofffilter, nachdem der Abscheider entleert ist.
- Einträge aus einem bekannten Ereignis stammen. Ein Start mit abgezogener Notausleine hinterlässt einen Eintrag zum Notausschalter, der nichts bedeutet.
- die Batterie leer war, sie jetzt geladen ist und du herausfinden willst, welche Kommunikationsfehler nur vom Spannungseinbruch kamen.
- du einen Stecker gereinigt hast und beobachten willst, ob die sporadische Meldung wiederkehrt.
- du eine saubere Ausgangslage für die Saison haben willst und vorher alles notiert hast.
Lass es stehen, wenn
- du die Einträge noch nicht abgeschrieben oder fotografiert hast. Das ist die wichtigste Regel und die, gegen die am häufigsten verstoßen wird.
- der Motor ohnehin in eine Werkstatt geht. Dort möchte man sehen, was das Steuergerät gemerkt hat, nicht einen leeren Speicher.
- die Meldung Öldruck, Thermoschalter oder Überhitzung betrifft und du die Ursache noch nicht kennst. Löschen macht den Motor nicht kühler.
- du nicht weißt, ob ein Eintrag aktiv ist. Kommt er nach dem Löschen sofort wieder, war er nie weg.
- mehrere Einträge gleichzeitig auftauchten und du noch nicht weißt, welcher zuerst kam. Dann erst die Reihenfolge klären, etwa über eine Batterieprüfung, und danach löschen.
Was nach dem Löschen passieren muss
Mit M-JET DIAGNOSTIC löschst du den Speicher per Handy am Diagnoseanschluss des Motors, je nach Steuergerät. Danach kommt der Teil, den viele vergessen: den Motor wieder unter den Bedingungen laufen lassen, unter denen der Fehler auftrat. Ein Thermosensor, der nur nach 30 Minuten Volllast spinnt, meldet sich im Leerlauf am Steg nicht. Eine Trimmsensor-Meldung, die bei Seegang kommt, zeigt sich nicht im Hafenbecken.
Lies den Speicher nach dieser Probefahrt erneut. Leer heißt: Die Reparatur hat gewirkt oder der Fehler war ein Einzelereignis. Wieder da heißt: weitersuchen, aber jetzt mit der Gewissheit, dass es kein Altlast-Eintrag ist. Mehr zum Ablauf steht unter Fehlerspeicher löschen.
Ein leerer Speicher beim Gebrauchtkauf
Hier liegt der Haken aus Käufersicht. Wer einen Motor verkauft, kann den Speicher am Abend vorher löschen, und am nächsten Tag ist er leer. Das ist nicht verboten und manchmal sogar harmlos. Es bedeutet aber, dass ein leerer Speicher bei der Besichtigung allein kein Beleg für einen gesunden Motor ist.
Aussagekräftiger sind die Betriebsstunden nach Drehzahlbereich, die das Steuergerät in sieben Stufen von unter 1000 bis 7000 U/min führt, und Live-Werte bei warmem Motor. Dazu ein Probelauf, nach dem du noch einmal liest. Was beim Gebrauchtkauf sonst auf die Liste gehört, steht unter Gebrauchtkauf-Check. Ein Motor, der nach einer halben Stunde Probefahrt immer noch einen leeren Speicher hat, sagt dir mehr als einer, der beim Ankommen leer war.