Dein F90 liegt die ganze Saison im Hafen an der Ostsee, und seit August steht ab und zu eine Meldung zum Trimmsensor im Speicher. Mal ist sie da, nach dem Löschen eine Woche lang nicht, dann wieder. Die Trimmanzeige springt manchmal kurz, der Motor läuft einwandfrei. So fängt Korrosion an Steckverbindern sehr oft an, und wer es früh merkt, kommt mit Kontaktreiniger und einem Nachmittag davon.
Warum der Speicher Korrosion früher zeigt als das Auge
Ein Sensor liefert dem Steuergerät eine Spannung. Sitzt Salzbelag zwischen Stift und Buchse, steigt der Übergangswiderstand, und die Spannung kommt verfälscht an. Solange das nur bei Feuchtigkeit oder Vibration passiert, ist der Fehler sporadisch. Das Steuergerät bemerkt einen Wert außerhalb der Spezifikation oder ein unregelmäßiges Signal und legt einen Eintrag ab, lange bevor du am Stecker etwas Grünes siehst.
Auffällig ist, wie oft in den hinterlegten Prüfschritten derselbe Punkt steht: Leitung und Stecker auf Verbindung und Beschädigung prüfen. Beim Klopfsensor ist das sogar der einzige Prüfschritt.
Einträge, die auf einen Stecker hindeuten können
- Trimmsensor außerhalb der Spezifikation, oft zusammen mit einer springenden Trimmstellung in Prozent. Der Sensor sitzt weit unten am Spiegelhalter und bekommt viel Spritzwasser ab.
- Thermosensor oder Motortemperatursensor außerhalb der Spezifikation, ohne dass der Motor wirklich zu warm wird.
- Schaltpositionsschalter mit unregelmäßigem Signal.
- Klopfsensor mit unregelmäßigem Signal.
- Wasser im Kraftstofffilter, obwohl der Abscheider trocken ist. Dann lohnt der Blick auf das Kabel des Schalters.
- Pulsgeber mit unregelmäßigem Signal. Das ist ernster, weil der Motor ohne Pulsgeber nicht läuft.
- Notausschalter aktiv, ohne dass jemand die Leine gezogen hat. Hier ist es meist der Schalter am Fahrstand selbst.
Keiner dieser Einträge beweist Korrosion. Aber wenn einer davon sporadisch auftaucht und das Boot im Salzwasser liegt, ist der Stecker der erste Verdächtige und nicht das Bauteil.
Der Wackeltest mit Live-Werten
Der beste Test kostet nichts. Du rufst mit M-JET DIAGNOSTIC den passenden Live-Wert auf, etwa Trimmstellung oder Motortemperatur, und bewegst dann Stecker und Kabel vorsichtig mit der Hand. Ein gesunder Kreis zeigt einen ruhigen Wert. Springt die Zahl, sobald du den Stecker anfasst, hast du die Stelle. Das klappt auch bei Schaltern: Der Schaltpositionsschalter und der Notausschalter stehen als Zustand im Live-Bild und dürfen beim Wackeln nicht flackern.
Welche Werte dein Motor anbietet, hängt vom Steuergerät ab. Einen Überblick gibt die Seite Live-Daten.
Was du festhalten solltest
Bei sporadischen Fehlern hilft ein Protokoll mehr als ein gutes Gedächtnis. Gerade bei Booten, die im Salzwasser liegen, wiederholt sich das Muster oft mit dem Wetter: nach Regentagen mehr Einträge, nach einer trockenen Woche keine. Notier, wann ein Eintrag auftauchte, ob vorher Regen oder starker Seegang war, ob das Boot abgedeckt lag. Lies den Speicher dafür regelmäßig aus, zum Beispiel alle zwei Wochen, und lösch ihn erst, wenn du alles aufgeschrieben hast. Wie du Einträge richtig liest, steht unter Fehlercodes lesen.
Der Nachmittag am Stecker
Stecker trennen, ansehen, mit Kontaktreiniger behandeln, trocknen lassen, Dichtungen prüfen und wieder fest zusammenstecken. Grüne Ablagerungen tief in der Buchse oder ein Kabel, das unter der Isolierung schwarz geworden ist, lassen sich mit Reiniger nicht retten. Da hilft nur ein neuer Stecker oder ein neues Kabelstück, sauber gecrimpt und abgedichtet. Danach den Speicher löschen und den Motor zwei, drei Wochen beobachten. Taucht der Eintrag nicht mehr auf, war es der Kontakt. Taucht er trotz sauberem Stecker wieder auf, ist das Bauteil selbst dran, und dann weißt du wenigstens sicher, dass du das richtige Teil kaufst.
Vorbeugend hilft, was jeder Salzwasserfahrer kennt: Motor nach dem Fahren mit Süßwasser spülen, die Haube ab und zu abnehmen und den Motorraum trocknen lassen, Stecker im Herbst einmal kontrollieren. Steckverbinder im unteren Bereich des Motors und am Spiegelhalter verdienen dabei mehr Aufmerksamkeit als die oben unter der Haube.