Im Winter hast du die Drosselklappe am F60 gereinigt, alles wieder montiert, und seitdem pendelt der Leerlauf zwischen zu hoch und fast aus. Vor der Reinigung lief er ruhig, nur etwas niedrig. Das ist kein Zufall und auch kein Montagefehler. Das Steuergerät hat über die Jahre gelernt, mit einer verschmutzten Klappe umzugehen, und jetzt ist die Klappe sauber.
Was das Steuergerät sich merkt
Bei Motoren mit mechanischem Gaszug regelt das ISC-Ventil den Leerlauf. Es schickt bei geschlossener Klappe eine dosierte Luftmenge am Klappenblatt vorbei. Ablagerungen an der Klappe verengen den Spalt, also öffnet das Steuergerät das ISC-Ventil mit der Zeit etwas weiter. Dieser Ausgleich ist gespeichert. Nach der Reinigung kommt plötzlich mehr Luft durch, das Steuergerät startet mit seinem alten Wert, und der Leerlauf schießt hoch, bis die Regelung wieder einfängt, oft zu weit.
Leerlauf anlernen setzt diesen gelernten Ausgleich neu auf. In den Diagnosedaten ist die Funktion bei allen Steuergeräte-Varianten der Familien F20 bis F100, F115 bis F150, F175 bis F250, F275 bis F450 und bei der HPDI Z-Serie vorgesehen. Mit M-JET DIAGNOSTIC startest du sie am Handy, die App führt dich durch den Ablauf.
Wann Anlernen sinnvoll ist
Nach dem Reinigen der Drosselklappe, wie im Beispiel. Nach dem Tausch des ISC-Ventils, weil das neue Ventil anders sitzt als das alte. Nach Arbeiten an der elektronischen Drosselklappe bei Motoren mit ETV, wo die Klappe selbst den Leerlauf regelt. Und manchmal nach einem längeren Abklemmen der Batterie, wenn der Motor danach erkennbar anders im Standgas läuft.
Wichtig ist der Zustand des Motors beim Anlernen. Er sollte betriebswarm sein, in Neutral stehen und keine zusätzlichen Verbraucher haben, die den Leerlauf belasten. Läuft er dabei an einem Spülanschluss auf dem Trailer, muss die Wasserversorgung stimmen, denn ein Lernlauf mit überhitzendem Motor bringt nichts Brauchbares.
Vorher kurz in die Live-Daten schauen
Anlernen hilft nur, wenn die Mechanik stimmt. Deshalb vorher ein Blick auf diese Werte:
- Drosselklappenwinkel und TPS-Spannung bei Leerlauf. Die Klappe muss wirklich geschlossen melden. Ein Gaszug, der nach dem Zusammenbau leicht unter Spannung steht, hält die Klappe minimal offen.
- ISC-Öffnung in Prozent. Ein Wert, der ständig am Anschlag hängt, zeigt, dass das Ventil gegen etwas ankämpft.
- Ansaugdruck. Schwankt er stark bei ruhiger Drehzahl, zieht der Motor vermutlich Nebenluft.
Das ISC-Ventil kannst du im Aktortest einzeln ansteuern. Reagiert es nicht, ist Anlernen sinnlos. Beim Reinigen der Klappe wird das Ventil manchmal mit Reiniger geflutet oder sein Stecker nicht ganz eingerastet. Beides zeigt der Test schnell, und beides ist in fünf Minuten behoben.
Notiere dir die Werte vor dem Anlernen. Dann hast du später einen Vergleich und weißt, ob sich nach dem Lernlauf wirklich etwas verändert hat.
Wann Anlernen nichts bringt
Bei einer undichten Dichtung zwischen Drosselklappengehäuse und Ansaugkrümmer. Das Steuergerät kennt dafür eine eigene Meldung, Luftleck im Ansaugtrakt. Steht sie im Speicher, wird erst abgedichtet und dann gelernt. Ebenso bei einem Zündaussetzer, einer verschmutzten Düse oder Wasser im Kraftstoff. Ein Motor, der auf einem Zylinder hinkt, lernt nur einen schlechten Leerlauf neu.
Auch ein TPS, der falsch sitzt oder dessen Stecker wackelt, wird durch Anlernen nicht besser. Die App lernt den Leerlauf an, sie stellt keine Sensoren ein. Mehr zu den Ursachen eines unruhigen Standgases findest du unter Unrunder Leerlauf, und zur Funktion selbst unter Leerlauf anlernen.
Nach dem Lernlauf
Motor aus, kurz warten, wieder starten. Der Leerlauf sollte jetzt ohne großes Pendeln auf seine Solldrehzahl fallen. Schau dir danach die ISC-Öffnung noch einmal an: Liegt sie im mittleren Bereich und bleibt ruhig, hat das Steuergerät eine saubere Ausgangslage. Pendelt der Motor nach dem Anlernen weiter wie vorher, war die Reinigung nicht die Ursache, und die Suche geht beim Ansaugdruck weiter.