Am F150 hat beim Einlaufen in den Hafen kurz die Warnlampe geflackert, das Horn hat einmal gepiept, danach lief der Motor wieder ganz normal. Der nächste freie Termin in der Werkstatt ist in drei Wochen, das Boot soll aber am Wochenende wieder raus. Ein Blick in den Fehlerspeicher klärt in solchen Fällen oft mehr als jedes Rätselraten am Steg, vorausgesetzt, man weiß, was da eigentlich drinsteht.
Bauteil und Fehlerart, nicht die Ursache
Ein Eintrag im Steuergerät besteht im Kern aus zwei Dingen: welches Bauteil betroffen ist und wie das Steuergerät den Fehler erkannt hat. Typische Fehlerarten sind "außerhalb der Spezifikation", "unregelmäßiges Signal", "Spannung unter Sollwert" oder "Kommunikationsfehler". Ein Thermosensor außerhalb der Spezifikation heißt also nur, dass der Wert aus diesem Sensorkreis nicht plausibel war. Ob der Sensor selbst kaputt ist, ein Stecker vergammelt oder eine Leitung am Motorblock durchgescheuert, sagt der Eintrag nicht.
Deshalb hängen an jedem Eintrag Prüfschritte. Beim Thermosensor sind das: Wert im Live-Bild ansehen, Stecker und Leitung kontrollieren, Widerstand des Sensors messen. Die Reihenfolge ist kein Zufall. Der erste Schritt kostet nichts, der letzte braucht ein Messgerät.
Wie viel ein Steuergerät überhaupt kennt
Das schwankt stark. Ein kleiner Viertakter aus der Reihe F20 bis F100 kennt je nach Steuergerät nur 9 bis 13 verschiedene Einträge. Ein F350 oder ein XTO mit Direkteinspritzung kommt auf bis zu 107. Dazwischen liegen die Mittelklasse und die großen Reihenmotoren. Wer also bei seinem F40 eine Meldung zum Öldrucksensor sucht, wird nicht fündig: Der kleine Motor hat nur einen Öldruckschalter, keinen Sensor mit Messwert.
Auch die Nummern selbst sind nicht über alle Motoren gleich. Derselbe Thermosensor läuft je nach Steuergeräte-Generation unter verschiedenen Nummern, und das ist auch der Grund, warum Code-Listen aus Foren so oft nicht zum eigenen Motor passen. Verlass dich auf den Klartext, den das Steuergerät deines Motors liefert, nicht auf eine Tabelle aus dem Netz.
Einträge, die oft harmlos sind
- Notausschalter betätigt: Steht er allein im Speicher, wurde meist beim Anlegen die Leine gezogen, während der Motor lief. Kein Grund zur Sorge.
- Batteriespannung unter Sollwert: nach einem Winter mit angeklemmter Batterie fast normal. Interessant wird es, wenn der Eintrag auch nach einer Saison mit voller Batterie wiederkommt.
- Überkühlung, also Motor wird nicht warm genug: kein Elektrikfehler, sondern ein Hinweis auf ein hängendes Thermostat.
Anders sieht es aus bei Pulsgeber mit unregelmäßigem Signal, Falschluft im Ansaugtrakt oder Meldungen zur Drosselklappe. Die wollen geklärt werden, bevor das Boot wieder weit rausfährt.
So kommst du ohne Werkstatt an den Speicher
Am Motor sitzt ein Diagnoseanschluss. Dort steckst du den Dongle von M-JET DIAGNOSTIC für Yamaha WaveRunner & Außenborder ein, verbindest das Handy per Bluetooth und liest den Speicher in der App aus, auf iOS oder Android und ohne Laptop. Unterstützt werden 114 Außenborder-Einträge ab der Steuergeräte-Generation 2003, von den kleinen F20 bis zu den V8-Motoren und den HPDI-Motoren der Z-Serie. Was genau angezeigt wird, hängt vom Steuergerät ab: Die App zeigt das, was dein Motor anbietet, nicht mehr.
Zu jedem Eintrag bekommst du Bauteil, Symptom und die Prüfschritte in Klartext. Mehr zum Ablauf steht unter Fehlercodes am Yamaha-Außenborder auslesen, und was der Dongle technisch braucht, unter Diagnosegerät ohne Laptop.
Was der Speicher nie zeigen wird
Ein Impeller mit zwei abgerissenen Flügeln erzeugt keinen Eintrag. Ein verstopfter Kühlwasserkanal auch nicht, solange der Motor noch nicht heiß genug wird. Verschleiß an Getriebe, Propeller oder Kolbenringen sieht das Steuergerät ebenfalls nicht. Es überwacht Sensoren und Stromkreise, keine Mechanik.
Ein leerer Speicher ist also kein Gesundheitszeugnis. Er bedeutet nur, dass keiner der überwachten Kreise aus dem Rahmen gefallen ist. Bei dem flackernden F150 vom Anfang würde ich trotzdem zuerst lesen, alles abfotografieren und erst danach entscheiden, ob gelöscht wird. Ein Eintrag, der nach dem Löschen innerhalb einer Fahrt wiederkommt, ist der wertvollste Hinweis, den das Steuergerät dir geben kann.