Nach dem Winter dreht der Anlasser deines F115 zäh, der Motor kommt dann doch, aber im Fehlerspeicher stehen plötzlich Einträge zu Bauteilen, die du nie angefasst hast. Eine Kommunikationsstörung zur Fernbedienung, ein Eintrag zur Wegfahrsperre, vielleicht etwas zur Drosselklappe. Bevor du anfängst, Sensoren zu bestellen, lohnt sich eine Viertelstunde mit der Batterie.
Was beim Anlassen im Bordnetz passiert
Der Anlasser zieht beim Start sehr viel Strom. Bei einer gesunden Batterie sackt die Spannung kurz ab und erholt sich sofort. Bei einer müden Batterie oder einem oxidierten Polanschluss fällt sie so weit, dass Steuergerät, Fernbedienung und Wegfahrsperre für einen Moment unter ihre Arbeitsspannung rutschen. Dann reden die Geräte kurz nicht miteinander, und genau das legen sie als Kommunikationsfehler ab.
Bei Motoren mit elektronischer Drosselklappe kommt dazu, dass der Stellmotor der Klappe Strom braucht. In den Daten der mittleren und großen Klassen gibt es einen eigenen Eintrag für die Stromversorgung der ETV. Ein Spannungseinbruch kann so etwas auslösen, ohne dass an der Klappe etwas kaputt ist.
Bei Booten mit mehreren Verbrauchern am selben Kreis verschärft sich das. Kühlbox, Echolot und Radio hängen gern an der Starterbatterie, weil keine zweite eingebaut wurde. Über den Winter ziehen manche davon kleine Ruheströme, und im Frühjahr ist die Batterie halb leer, ohne dass jemand etwas bemerkt hat.
Das heißt nicht, dass jeder dieser Einträge harmlos ist. Es heißt nur, dass du die Spannung zuerst klärst, weil sie alle anderen Ergebnisse verfälscht.
Die Meldungen, die direkt auf Strom zeigen
Für die Batteriespannung selbst hat jedes Steuergerät von F20 bis F450 einen Eintrag „unter der vorgegebenen Spannung“. Die hinterlegten Prüfschritte sind immer dieselben: Spannung im Live-Bild prüfen, die Verbindung zwischen Kabel und Batteriepol prüfen, die Spitzenspannung des Ladesystems messen. Weitere Kandidaten:
- Hauptstromversorgung, mit der Sicherung des Hauptrelais als erstem Prüfpunkt.
- Stromversorgung des Startermagneten, mit der Sicherung des Starterrelais.
- Bei den großen Motoren ab F275 ein Generatorsystem ohne Signal. Das Steuergerät nennt die Leitung zum Laderegler und den Kurbelwellensensor.
- Ebenfalls dort eine Kommunikationsstörung zur Stromverteilerbox.
So misst du mit den Live-Werten
Mit M-JET DIAGNOSTIC siehst du die Batteriespannung live auf dem Handy, bei manchen größeren Motoren zusätzlich die Spannung der Bordnetzbatterie. So gehe ich vor:
- Zündung an, Motor aus. Eine volle, ruhende Bleibatterie liegt grob bei 12,6 Volt. Deutlich darunter ist sie entweder leer oder müde.
- Beim Anlassen auf den Wert schauen. Er darf fallen, aber nicht ins Bodenlose.
- Im Leerlauf und dann bei etwa 2000 U/min. Jetzt muss die Spannung über dem Ruhewert liegen, sonst lädt der Motor nicht.
- Während der Motor läuft, an Batteriepolen und Massekabel wackeln. Springt der Wert, ist der Kontakt das Problem und nicht die Batterie.
Ein Ladesystem, das im Leerlauf kaum über den Ruhewert kommt, aber bei höherer Drehzahl deutlich zulegt, ist nicht unbedingt defekt. Ein Ladesystem, das bei keiner Drehzahl zulegt, ist es sehr wahrscheinlich. Mehr dazu steht unter Batteriespannung und Ladesystem.
Was danach mit den Einträgen passiert
Ist die Spannung geklärt, also Batterie geladen oder getauscht und Pole sauber, liest du den Speicher noch einmal, schreibst alles auf und löschst ihn dann. Danach ein paar Starts und eine Probefahrt. Kommen Fernbedienungs- oder Wegfahrsperren-Einträge nicht wieder, waren sie Folgen des Spannungseinbruchs. Kommen sie wieder, obwohl die Spannung beim Start stabil bleibt, sind sie echt und brauchen eine eigene Suche im Kabelbaum.
Die Wegfahrsperre selbst lässt sich mit der App übrigens nicht zurücksetzen oder anlernen. Du siehst nur, ob sie eine Störung gemeldet hat. Wann das Löschen sinnvoll ist, steht unter Fehlerspeicher löschen. Ladegerät über Nacht und saubere Pole lösen erstaunlich viele dieser Rätsel, bevor überhaupt ein Teil bestellt wird.