Der Dongle steckt am F250, die App zeigt über 50 Zeilen mit Zahlen, und du willst eigentlich nur wissen, warum der Motor seit letzter Woche nach dem Ablegen etwas zäh hochdreht. Wie viele Werte du siehst, hängt vom Steuergerät ab. Kleine Motoren liefern um die 20, die großen V8 bis zu 65. Nicht alle sind in jeder Situation interessant. Dieser Zettel sortiert sie danach, wann du sie anschaust.
Zündung an, Motor aus
Hier prüfst du die Sensoren, bevor der Motor sie mit Wärme und Vibration durcheinanderbringt. Dieser Moment ist der einzige, in dem mehrere Werte denselben Zustand beschreiben müssen, und genau deshalb fallen falsche Sensoren hier am leichtesten auf.
- Atmosphärendruck und Ansaugdruck: Bei stehendem Motor sollten beide fast gleich sein. Der eine steht in hPa, der andere in kPa, also 1013 hPa entsprechen etwa 101 kPa. Weichen sie deutlich ab, stimmt einer der Sensoren nicht.
- Ansauglufttemperatur, Motortemperatur, Kühlwassertemperatur: Nach einer kalten Nacht liegen alle nah an der Umgebungstemperatur. Einer, der völlig herausfällt, ist verdächtig.
- Batteriespannung: Ausgangswert für alles Weitere.
- TPS1 und TPS2 bzw. TPS-Spannung und Drosselklappenwinkel: Klappe zu, Werte ruhig. Bei elektronischer Fernschaltung zusätzlich APS1 und APS2 beim langsamen Bewegen des Hebels.
Im Leerlauf, Motor warm
- Drehzahl und ISC-Öffnung in Prozent: Der Leerlaufsteller regelt nach. Steht er dauerhaft sehr weit offen, kompensiert er etwas.
- Ansaugdruck: Jetzt deutlich unter dem Atmosphärendruck. Schwankt er stark, obwohl die Drehzahl ruhig ist, lohnt die Suche nach Nebenluft.
- Ansaugnockenwinkel bei Motoren mit Nockenwellenverstellung: In Neutral soll er laut den Prüfschritten des Steuergeräts bei 10 Grad oder darunter liegen. Beim V6 und V8 gibt es ihn für beide Bänke.
- Öldruck in kPa, wo vorhanden. Bei kleinen Motoren gibt es nur den Öldruckschalter.
- Batteriespannung: Jetzt über dem Ruhewert, sonst lädt nichts.
Unter Last
Für das zähe Hochdrehen sind das die interessanten Zeilen. Am besten liest eine zweite Person mit, während du fährst. Fahr dafür eine gerade Strecke bei ruhigem Wasser und gib in mehreren Stufen Gas, statt sofort voll. So siehst du, ab welcher Drehzahl sich ein Wert anders verhält als erwartet.
- Drosselklappenwinkel gegen Drehzahl. Viel Klappe und wenig Drehzahl heißt, dass der Motor nicht liefert oder der Propeller nicht passt.
- Einspritzzeit in Millisekunden und Kraftstoffdurchfluss in Litern pro Stunde.
- Zündzeitpunkt in Grad. Nimmt das Steuergerät die Zündung deutlich zurück, kann der Klopfsensor dahinterstecken.
- Kühlwasserdruck, wo vorhanden. Er steigt mit der Drehzahl. Bleibt er bei steigender Drehzahl flach, schau dir den Impeller an. Mehr dazu unter Überhitzung und Kühlwasser.
- Bei den XTO-Motoren DI-Kraftstoffdruck je Bank in MPa und VST-Druck in kPa.
Schalter und Zustände
Diese Zeilen zeigen keine Zahl, sondern an oder aus. Sie sind bei Startproblemen wichtiger als jeder Druckwert: Notausschalter, Schaltpositionsschalter, Neutralerkennung, Startfreigabe, Hauptschalter, Thermoschalter, Wegfahrsperre, Trimmschalter auf und ab, Haupt- und Kraftstoffpumpenrelais. Einer davon im falschen Zustand erklärt einen Motor, der nicht anspringt, schneller als jede Messung. Prüf sie, indem du selbst etwas tust: Notausleine ziehen und stecken, Hebel von Neutral in Vorwärts und zurück, Trimmschalter drücken. Jede Handlung muss in der passenden Zeile sofort sichtbar sein. Bleibt eine Zeile stehen, obwohl du am Schalter etwas änderst, ist das deine Spur.
Mit M-JET DIAGNOSTIC kannst du die Werte auf dem Handy mitlesen, auch während der Fahrt. Welche Werte es je Motorfamilie gibt, steht unter Live-Daten.
Was kein Live-Wert ersetzt
Kein Wert zeigt dir den Zustand des Propellers, Bewuchs am Rumpf oder ob das Getriebeöl milchig ist. Ein Boot mit Seepocken am Unterwasserschiff dreht zäh hoch, und alle Werte sehen dabei vernünftig aus. Wenn Drosselklappe, Einspritzzeit und Zündzeitpunkt plausibel sind und trotzdem Drehzahl fehlt, liegt das Problem sehr wahrscheinlich unter Wasser und nicht im Steuergerät. Dann ist der nächste Schritt der Blick aufs Unterwasserschiff, bevor du am Motor noch etwas anfasst.